B2B-Kundenkonten beim Shopify-Umstieg: Warum die Feature-Liste die falsche Frage beantwortet
Wer aus einer B2B-Suite auf Shopify wechselt, vergleicht Funktionslisten und übersieht dabei die entscheidende Schicht: das Kundenkonto. Dort sitzt Ihr Einkauf jede Woche, dort landen die Rückfragen, die heute Ihr Vertrieb beantwortet — und dort ist die Fläche seit den Kundenkonto-Erweiterungen erstmals wirklich baubar. Wir zeigen, welche zehn B2B-Funktionen in welcher Schicht landen, wo im Konto überhaupt Platz ist, und welche fünf Punkte zum Go-live stehen müssen, weil sie sich später nicht nachholen lassen.
Jedes B2B-Migrationsprojekt, das wir begleitet haben, begann mit derselben Tabelle. Links die Funktionen der heutigen B2B-Suite, rechts zwei Spalten mit Häkchen und Kreuzen, und irgendwo in der Mitte die Zeile, an der sich die Diskussion festfrisst. Meistens sind es die Angebote mit Verhandlungsstand.
Diese Tabelle ist nicht falsch. Sie ist nur an der falschen Stelle gründlich. Was sie zuverlässig erfasst, sind die Funktionen, die einen Namen haben — Firmenkonten, Staffelpreise, Rechnungskauf. Was sie nicht erfasst, ist die Fläche, auf der Ihre Kundschaft diese Funktionen tatsächlich benutzt: das Kundenkonto. Es steht in keiner Vergleichstabelle, weil es keine Funktion ist, sondern ein Ort.
Und dieser Ort ist im B2B-Geschäft nicht das, wofür ihn die meisten halten.
Das Konto ist im B2B kein Nebenraum
Im Endkundengeschäft ist das Kundenkonto eine Servicefläche. Man landet dort, wenn etwas unklar ist, sieht nach, wo das Paket steckt, und schließt den Tab wieder. Zwei, vier, vielleicht sechs Besuche im Jahr.
Im Geschäftskundengeschäft ist dasselbe Konto ein Arbeitsplatz. Der Einkauf sitzt dort mehrmals pro Woche, oft mehrmals täglich, und erledigt Dinge, die im B2C überhaupt nicht vorkommen.
Nutzungsmuster
Im B2C ist das Konto ein Nebenraum. Im B2B ist es der Arbeitsplatz.
Beide Kontoarten heißen gleich, tragen dasselbe Login und stehen im Migrationsangebot in derselben Zeile. Was darin passiert, hat miteinander nichts zu tun — und der Unterschied entscheidet darüber, wie viel Ihres Vertriebstags nach dem Wechsel noch aus Rückfragen besteht.
Endkundschaft
Kauft ein paar Mal im Jahr, meist ohne Anlass zur Rückfrage.
4 Kontobesuche pro Jahr
- Sendung verfolgen
- Adresse ändern
- Retoure anstoßen
Drei Aufgaben, alle selbsterklärend. Ein Standardkonto reicht — und genau deshalb hat sich nie jemand Gedanken darüber gemacht.
Geschäftskundschaft
Bestellt wöchentlich bis täglich, oft für mehrere Standorte und Kostenstellen.
90 Kontobesuche pro Jahr
- Nachbestellen aus der letzten Bestellung
- Sammelbestellung per Artikelliste erfassen
- Angebot anfragen und Stand einsehen
- Rechnung als PDF herunterladen
- Standort wechseln, für den bestellt wird
- Offene Posten und Zahlungsziel prüfen
- Kolleg:in Bestellrecht geben
Sieben Aufgaben, fünf davon gehen heute per Telefon oder Mail an Ihren Vertrieb. Jede einzelne ist ein Selbstbedienungsfall, der nie einer wurde.
6 von 7 Aufgaben im B2B-Konto sind heute keine Kontofunktion, sondern eine Person. Beim Plattformwechsel ist das die eine Gelegenheit, das zu ändern — danach ist es ein Änderungsantrag.
Die Zahlen zur Selbstbedienung im B2B sind seit Jahren stabil und werden trotzdem selten in Projektentscheidungen übersetzt: Eine große Mehrheit der Geschäftskundschaft möchte den Bestellvorgang ganz oder überwiegend selbst online abwickeln, und ein erheblicher Teil bestellt täglich. Das ist keine Bequemlichkeitsfrage. Wer täglich bestellt, hat schlicht keine Zeit, für jeden Vorgang jemanden anzurufen.
Der Grund, warum das trotzdem passiert, ist banal: Die Funktion, die es ersparen würde, gibt es im Konto nicht. Also ruft man an. Und weil das seit Jahren so läuft, ist es in der Wahrnehmung aller Beteiligten kein Mangel mehr, sondern Kundenbetreuung.
Beim Plattformwechsel wird diese Gewohnheit zum ersten Mal seit langem verhandelbar. Das ist die eigentliche Gelegenheit — und sie ist kurz.
Die Schichtenfrage schlägt die Funktionsfrage
Zurück zur Tabelle. Der Fehler an ihr ist nicht das Häkchen, sondern die Spalte. „Kann Shopify das?“ ist eine Ja-Nein-Frage auf eine Situation, die drei bis fünf mögliche Antworten hat.
Die brauchbare Frage lautet: In welcher Schicht liegt die Funktion nach dem Wechsel? Kommt sie mit der Plattform? Ist sie eine Einstellung? Lebt sie im Kundenkonto und muss dort gebaut werden? Gibt es eine App? Oder ist sie ein Fall, bei dem sich die Zuständigkeit ändert?
Schichtenzuordnung
Zehn B2B-Funktionen — und in welcher Schicht sie bei Shopify landen
Die übliche Frage lautet „Kann Shopify das?“ und führt zu einer Liste mit Häkchen, die niemandem hilft. Die brauchbare Frage lautet: In welcher Schicht liegt die Funktion künftig — und wer baut sie dort hinein?
liefert die Plattform mit oder erledigt eine Einstellung. Hier entsteht kein Projektaufwand, sondern eine Entscheidung.
liegen im Kundenkonto und müssen dort gebaut werden. Genau diese Zeilen fehlen in den meisten Migrationsangeboten.
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Firmenkonten und Standorte
PlattformHeute Company-Objekt mit Standorten und Ansprechpartner:innen
Companies, Company Locations und Contacts als Plattformobjekte
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Kundenspezifische Preise
PlattformHeute Shared Catalogs oder Kundengruppen-Preise
Preislisten je Standort, greifen ab dem Login im ganzen Katalog
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Zahlungsziele
KonfigurationHeute Rechnungskauf über Erweiterung, Frist im ERP gepflegt
Netto 15/30/60/90 je Standort, im Checkout hinterlegt
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Sortimentsfreigabe je Kunde
KonfigurationHeute Shared Catalog schaltet Artikel sichtbar oder unsichtbar
Katalog je Standort — Sichtbarkeit und Preis in einem Objekt
Der Umbau ist konzeptionell, nicht technisch: Wer im Altsystem mit dreißig Kundengruppen gearbeitet hat, muss vorher entscheiden, welche davon wirklich unterschiedliche Kataloge sind.
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Bestellhistorie und Nachbestellung
Konto-ErweiterungHeute Order-Grid im Konto, Nachbestellung per Button
Bestellübersicht im Konto, Nachbestellung über eine Erweiterung
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Rechnungen als PDF
Konto-ErweiterungHeute Direkt im Konto, aus dem ERP gezogen
Eigene Kontoseite, die die Belege aus Ihrem ERP holt
Der häufigste Support-Fall im ersten Monat nach dem Wechsel. Fehlt die Seite, kommt jede Rechnung wieder per Mail — von einem Menschen.
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Sammelbestellung per Artikelliste
Konto-ErweiterungHeute Quick Order, Bestelllisten, CSV-Import
Kontoseite oder App mit CSV-Upload und SKU-Schnellerfassung
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Angebots-Workflow mit Verhandlung
App aus dem StoreHeute Negotiable Quotes mit Revisionsstand und Historie
Entwurfsbestellungen plus App, Kundensicht über eine Kontoseite
Die schmalste Stelle im Vergleich. Wenn Ihr Vertrieb heute wirklich in Revisionsständen verhandelt, gehört das in die Anforderungsliste vor die Plattformwahl — nicht in die Umsetzungsphase.
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Mehrstufige Freigaben
App aus dem StoreHeute Purchase-Order-Workflow mit Budget und Genehmigungskette
App oder eigene Logik, Kundensicht über eine Kontoseite
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Kreditlimit je Kunde
Neu denkenHeute Pay on Account mit Limit und Kontostand im Shop
Bleibt beim ERP — der Shop zeigt den Stand, er führt ihn nicht
Als Arbeitsteilung meistens ein Fortschritt: Ein Limit, das an zwei Stellen geführt wird, ist an einer davon falsch.
Was diese Aufstellung sichtbar macht, ist eine Verschiebung, die im Angebot fast nie auftaucht. Die Funktionen, um die im Kickoff gerungen wird — Firmenstruktur, Preise, Zahlungsziele —, sind die unproblematischen. Sie liegen in der Plattform oder in einer Einstellung, und der Aufwand dafür ist eine Entscheidung, keine Entwicklung.
Der Aufwand liegt eine Schicht tiefer, bei den vier Zeilen, die im Kundenkonto landen. Diese Zeilen haben im Altsystem keinen eigenen Posten, weil sie dort einfach Teil der B2B-Suite waren. Im neuen Setup sind sie ein eigener Bauteil — und wenn niemand sie ausschreibt, werden sie auch nicht gebaut.
Eine Zeile verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: das Kreditlimit. Es ist der einzige Punkt in der Liste, bei dem sich nicht die Technik ändert, sondern die Zuständigkeit. Im Altsystem führte der Shop das Limit mit. Auf Shopify führt es das ERP, und der Shop zeigt es an. Das ist in fast allen Fällen die bessere Aufteilung, weil ein Limit, das an zwei Stellen geführt wird, verlässlich an einer davon falsch steht. Es ist aber eine Änderung, die jemand bemerken und mit der Buchhaltung besprechen muss — nach demselben Muster, das wir für die ERP-Integration mit Shopify beschrieben haben: Der Shop führt die Menge, das ERP führt den Wert.
Was Kundenkonto-Erweiterungen wirklich sind
Bis vor kurzem war das Kundenkonto von Shopify eine geschlossene Fläche. Gut gestaltet, schnell, für den B2C-Fall vollkommen ausreichend — und für Ihre Zwecke unantastbar. Wer dort eine B2B-Funktion wollte, baute sie außerhalb: eine eigene Portalseite, ein zweites Login, eine App mit eigener Oberfläche. Das funktionierte, war aber immer ein Anbau, den Kundschaft als solchen erkennt.
Kundenkonto-Erweiterungen ändern diese Ausgangslage. Sie erlauben es, eigene Bausteine in das Konto selbst zu setzen — nicht überall, sondern an benannten Einhängepunkten, die Shopify definiert und pflegt.
Einhängepunkte
Wo im Konto überhaupt Platz ist — vier Flächen, 12 Einhängepunkte
Erweiterungen im Kundenkonto sind keine freie Fläche, auf der sich alles bauen lässt. Es gibt benannte Stellen, an denen Ihr Code laufen darf. Das klingt nach Einschränkung und ist in Wahrheit der Grund, warum das Konto nach dem nächsten Plattform-Update noch funktioniert.
- 01
Bestellübersicht
Die Startseite des Kontos. Für Einkäufer:innen die meistbesuchte Seite Ihres gesamten Shops.
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customer-account.order-index.block.render -
customer-account.order-index.announcement.render
Typischer Inhalt Nachbestell-Block, offene Angebote, Hinweis auf fällige Rechnungen.
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- 02
Bestelldetail
Die Einzelbestellung mit Positionen, Versand, Zahlung und Retoure — jeder Abschnitt einzeln erweiterbar.
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customer-account.order-status.block.render -
customer-account.order-status.cart-line-item.render-after -
customer-account.order-status.payment-details.render-after -
customer-account.order-status.fulfillment-details.render-after
Typischer Inhalt Chargennummer je Position, Lieferschein, Zahlungsziel und offener Betrag aus dem ERP.
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- 03 nur B2B
Profil mit Firmendaten
Firmenname, Standorte, Zahlungsarten und Mitarbeiterliste. Diese Einhängepunkte erscheinen nur bei Geschäftskundschaft.
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customer-account.profile.company-details.render-after -
customer-account.profile.company-location-addresses.render-after -
customer-account.profile.company-location-payment.render-after -
customer-account.profile.company-location-staff.render-after
Typischer Inhalt Kreditrahmen und offene Posten, Kostenstellen je Standort, Bestellrechte im Team.
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- 04
Eigene Seite mit eigener Route
Kein Block in fremdem Layout, sondern eine vollwertige Seite im Konto — mit Navigationseintrag.
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customer-account.page.render -
customer-account.order.page.render
Typischer Inhalt Angebotsübersicht, Rechnungsarchiv, Sammelbestellung per CSV, Bestelllisten.
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Der Unterschied zum Altsystem ist nicht die Optik, sondern die Haltbarkeit. Wer im gewachsenen Shop eine B2B-Funktion wollte, hat ein Template überschrieben — und beim nächsten Update nachgezogen. Hier hängt dieselbe Funktion an einem benannten Punkt, den die Plattform pflegt.
Der Punkt, der beim ersten Lesen wie eine Einschränkung wirkt, ist in Wahrheit die Zusage: Ihr Baustein hängt an einem dokumentierten Punkt, nicht in einem überschriebenen Template. Wenn Shopify das Konto weiterentwickelt, bleibt der Punkt bestehen. Genau das war die Rechnung, die im gewachsenen Altsystem nie aufging — dort hat jede Anpassung ihre eigene Wartungsverpflichtung mitgebracht, und irgendwann war das Update, das man eigentlich wollte, wegen genau dieser Anpassungen nicht mehr machbar. Die gleiche Logik liegt dem Checkout Extensibility zugrunde, und aus demselben Grund.
Praktisch relevant ist außerdem der Unterschied zwischen Block und eigener Seite. Ein Block sitzt in einer bestehenden Seite und ergänzt sie — der Hinweis auf offene Rechnungen in der Bestellübersicht etwa. Eine eigene Seite bekommt eine Route und einen Navigationseintrag, ist also ein vollwertiger Bereich im Konto. Für die vier großen B2B-Themen — Angebote, Rechnungen, Sammelbestellungen, Bestelllisten — ist fast immer die Seite die richtige Wahl. Ein Block wird übersehen; ein Navigationseintrag nicht.
Die B2B-Einhängepunkte im Profil haben zusätzlich eine Eigenschaft, die im Test gern für Verwirrung sorgt: Sie erscheinen nur, wenn die angemeldete Person an einem Firmenstandort hängt. Wer mit einem normalen Kundenkonto testet, sieht nichts und meldet einen Fehler. Legen Sie sich für die Abnahme einen Testzugang an, der einer echten Firma mit mindestens zwei Standorten zugeordnet ist — sonst testen Sie systematisch am eigentlichen Fall vorbei.
Vier Funktionen, die den Vertrieb spürbar entlasten
Aus der Menge des Möglichen sind es in der Praxis vier Dinge, die den Unterschied zwischen „neues System“ und „weniger Arbeit“ ausmachen.
Das Rechnungsarchiv. Der mit Abstand häufigste Support-Fall in den ersten Wochen nach einem Wechsel ist die Bitte um eine Rechnungskopie. Sie kommt per Mail, jemand sucht sie im ERP, hängt sie an und schickt sie zurück — drei Minuten, dreißigmal pro Woche. Eine eigene Kontoseite, die dieselben Belege aus demselben ERP zieht, macht daraus einen Klick. Von allen Kontofunktionen hat diese das beste Verhältnis von Aufwand zu Entlastung, und sie wird trotzdem regelmäßig auf später verschoben.
Die Sammelbestellung. Wer sechzig Positionen bestellt, will sie nicht einzeln in den Warenkorb legen. Im Altsystem gab es dafür eine Schnellerfassung oder einen CSV-Upload; ohne Ersatz landet die Bestellung wieder als Tabelle im Mailpostfach und wird abgetippt. Das ist nicht nur Aufwand, sondern die häufigste Quelle für Positionsfehler im gesamten Bestellprozess.
Die Angebotsübersicht. Angebote werden auf Shopify meist über Entwurfsbestellungen abgebildet, ergänzt um eine App, wenn wirklich verhandelt wird. Was dabei gern vergessen wird, ist die Kundensicht: Wo sieht der Einkauf, welche Angebote offen sind, was sie kosten und bis wann sie gelten? Ohne diese Seite bleibt der Angebotsprozess ein Mailverlauf — und die Rückfrage „haben Sie das noch?“ ein Telefonat.
Der Standortwechsel. Sobald eine Person für mehrere Standorte bestellt, muss im Konto sichtbar sein, für welchen gerade gekauft wird — und der Wechsel muss ohne Abmelden gehen. Fehlt das, entstehen Bestellungen auf der falschen Kostenstelle, und die fallen erst in der Buchhaltung auf. Wenn Ihre Struktur eher aus getrennten Marken als aus Standorten besteht, ist allerdings vorab eine andere Frage zu klären; dazu haben wir in Multishop auf Shopify geschrieben.
Die Reihenfolge entscheidet mehr als der Umfang
Damit ist die Liste beisammen, und es bleibt die Frage, die im Projekt tatsächlich weh tut: Was davon muss zum Go-live stehen?
Die übliche Antwort ist eine Aufwandsschätzung — was billig ist, kommt mit, der Rest in Phase 2. Das ist bei Kontofunktionen die falsche Sortierung, weil sie den Zeitwert ignoriert.
Reihenfolge
Was zum Go-live stehen muss — und was Phase 2 sein darf
Die Sortierung erfolgt nicht nach Aufwand, sondern danach, wie viel eine späte Lieferung noch wert ist. Einkäufer:innen bilden ihre Gewohnheit in der ersten Woche. Wer da zum Telefon greifen muss, greift im dritten Monat immer noch zum Telefon — auch dann, wenn die Funktion inzwischen im Konto steht.
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Zum Go-live
Nicht nachholbar
Wirkung bei Nachlieferung- Login und Firmenzuordnung für jeden bestehenden Zugang
- Preise und Sortiment je Standort, sichtbar ab dem ersten Login
- Bestellhistorie aus dem Altsystem, mindestens 24 Monate
- Nachbestellen aus einer alten Bestellung
- Rechnungen einsehen und herunterladen
Das ist der Funktionsumfang, den Ihre Kundschaft heute schon hat. Fällt davon etwas weg, ist der neue Shop aus ihrer Sicht ein Rückschritt — unabhängig davon, wie gut alles andere geworden ist.
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Innerhalb von vier Wochen
Spät wirkt noch
Wirkung bei Nachlieferung- Sammelbestellung per Artikelliste oder CSV
- Angebotsübersicht mit Status
- Standortwechsel im Konto
- Bestellrechte im Team verwalten
Funktionen, die heute per Mail laufen. Sie werden vermisst, sobald der erste Monat vorbei ist — vorher ist die Kundschaft mit dem Neuen beschäftigt. Wer hier liefert, gewinnt die Entlastung, die den Wechsel begründet hat.
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Danach
Jederzeit
Wirkung bei Nachlieferung- Freigabe-Workflows mit Budget je Kostenstelle
- Vertragspreise mit Laufzeit und automatischer Verlängerung
- Verbrauchsauswertung je Standort
Ausbaustufen, die niemand vermisst, weil es sie im Altsystem auch nicht gab. Sie gehören in die Roadmap, nicht in den Migrationsumfang — dort verlängern sie nur den Termin.
Die Grenze zwischen Zeile eins und Zeile zwei ist die einzige, über die es sich zu streiten lohnt. Alles in Zeile eins gehört in den Vertrag, nicht in die Roadmap — dorthin verschoben, taucht es erfahrungsgemäß nicht wieder auf.
Der Mechanismus dahinter ist keine Vermutung, sondern beobachtbar. Ihre Kundschaft probiert den neuen Shop in der ersten Woche aus. Was sie dort findet, wird zur Gewohnheit; was sie nicht findet, führt zu einem Anruf. Der Anruf funktioniert, jemand hilft, die Bestellung geht raus. Damit ist der Weg etabliert. Wenn die Funktion sechs Wochen später live geht, merkt das niemand — es sei denn, Sie sagen es aktiv jedem einzelnen Konto.
Deshalb ist die Grenze zwischen der ersten und der zweiten Stufe die einzige, über die es sich im Projekt zu streiten lohnt. Alles in der ersten Stufe gehört in den Vertrag. Alles, was in die Roadmap verschoben wird, ist erfahrungsgemäß nicht verschoben, sondern gestrichen — dieselbe Dynamik, die wir im Risikomanagement beim Plattformwechsel für die Nacharbeiten nach dem Cutover beschrieben haben.
Fünf Fehler, die auch mit gutem Plan passieren
Die Kontomigration wird als Datenmigration behandelt. Kundendaten zu übernehmen ist ein Import. Ein funktionierendes Konto zu übergeben ist etwas anderes: Jeder bestehende Zugang muss der richtigen Firma und dem richtigen Standort zugeordnet sein, mit den richtigen Rechten und der richtigen Preisliste. Bei gewachsenen Kundenstämmen ist das die Stelle, an der Altlasten sichtbar werden — Personen mit zwei Konten, Firmen mit drei Schreibweisen, Zugänge von Menschen, die seit Jahren nicht mehr dort arbeiten. Diese Aufräumarbeit ist Fleißarbeit, und sie muss vor dem Import passieren.
Die Bestellhistorie fehlt. Nachbestellen aus einer alten Bestellung ist im B2B kein Komfortmerkmal, sondern der Hauptweg zur Bestellung. Wird die Historie nicht übernommen, ist dieser Weg am ersten Tag weg — auch wenn technisch alles funktioniert. Zwei Jahre sind das Minimum, drei sind besser, und die Frage gehört in die Ausschreibung, nicht in die Umsetzungsphase.
Getestet wird mit dem falschen Konto. Fast alles Interessante im B2B-Konto erscheint nur bei Kundschaft mit Firmenzuordnung. Ein Test mit einem gewöhnlichen Kundenkonto sieht ein B2C-Konto und meldet zurück, dass alles in Ordnung ist. Die Abnahme braucht mindestens einen Zugang mit Firma, zwei Standorten und zwei Personen mit unterschiedlichen Rechten.
Preise werden angezeigt, aber nicht durchgereicht. Der klassische Fehler bei kundenspezifischen Preisen sitzt nicht in der Katalogseite, sondern weiter hinten: im Warenkorb, in der Nachbestellung aus der Historie, in der Sammelbestellung per Upload. Prüfen Sie den Preis nicht dort, wo er steht, sondern auf jedem Weg, auf dem eine Position in den Warenkorb kommt.
Niemand sagt der Kundschaft, was neu ist. Kontofunktionen haben ein Vermarktungsproblem: Sie sind unsichtbar, bis jemand sie sucht. Eine kurze Mail an alle Firmenkontakte in der Woche vor dem Wechsel — was ändert sich, was ist neu, was können Sie ab jetzt selbst — kostet einen Nachmittag und verhindert einen erheblichen Teil der Anrufe, die sonst kommen.
Was die Plattform beisteuert — und was nicht
Ein Wechsel auf Shopify macht Ihr B2B-Geschäft nicht automatisch selbstbedienungsfähig. Er macht es baubar.
Konkret sind das drei Dinge. Die Firmenstruktur ist ein Plattformobjekt statt einer gewachsenen Kundengruppenlogik — Firma, Standort, Kontakt, mit Preisen und Zahlungszielen daran. Das Konto hat definierte Einhängepunkte, an denen Ihre Funktionen leben dürfen, ohne bei jedem Update neu verhandelt zu werden. Und der Unterbau ist derselbe wie im Endkundengeschäft, was bedeutet, dass Sie B2B und B2C nicht mehr als zwei Systeme betreiben, die zufällig dieselben Artikel führen.
Was die Plattform nicht liefert: die Funktionen selbst. Das Rechnungsarchiv baut niemand für Sie, die Sammelbestellung ebenso wenig, und die Angebotsübersicht schon gar nicht. Das ist keine Kritik — es ist der Unterschied zwischen einer Plattform und einer Suite, und er ist beim Wechsel exakt das, was man vorher wissen will. Eine Suite bringt vieles mit und lässt sich schwer ändern. Eine Plattform bringt weniger mit und lässt sich bauen. Welche der beiden zu Ihnen passt, hängt davon ab, wie viel Ihres B2B-Geschäfts wirklich Standard ist — und diese Einschätzung sollte vor der Plattformwahl stehen, nicht danach. Womit wir bei Shopify B2B in der Praxis üblicherweise anfangen.
Wo Sie ansetzen, je nach Ausgangslage
| Ihre Situation | Der erste Handgriff |
|---|---|
| Sie vergleichen gerade Funktionslisten | Jede Zeile um eine Spalte ergänzen: In welcher Schicht liegt das künftig? Die Häkchen-Spalte allein trägt keine Entscheidung |
| Der Vertrieb tippt Bestellungen aus Mails ab | Zählen, wie viele Positionen das pro Woche sind. Diese Zahl ist die Begründung für die Sammelbestellung — und meist überraschend hoch |
| Angebote werden heute in Revisionsständen verhandelt | Vor die Plattformwahl ziehen, nicht in die Umsetzung. Es ist der Punkt mit dem größten Abstand zwischen Suite und Plattform |
| Sie haben mehr als zwanzig Kundengruppen mit eigenen Preisen | Vorher klären, welche davon wirklich verschiedene Kataloge sind. Meist sind es deutlich weniger, als der Altbestand vermuten lässt |
| Kreditlimits stehen heute im Shop | Festlegen, dass künftig das ERP führt und der Shop anzeigt — und die Buchhaltung vorab einbinden |
| Das Migrationsangebot nennt keine Kontofunktionen | Nachfragen, ob Rechnungsarchiv, Sammelbestellung und Angebotsübersicht enthalten sind. Meist lautet die Antwort nein |
| Der Kundenstamm ist über Jahre gewachsen | Vor dem Import bereinigen: Dubletten, Firmenschreibweisen, Zugänge ehemaliger Mitarbeitender |
| Der Go-live-Termin steht fest | Die fünf Punkte der ersten Stufe gegen den Umfang prüfen. Fehlt einer, ist der Termin die falsche Stellschraube |
Checkliste
Vor dem B2B-Go-live: zwölf Punkte
Abzuarbeiten, solange das Altsystem noch läuft und der Migrationsumfang noch verhandelbar ist. Ihre Häkchen bleiben in diesem Browser gespeichert.
0 von 12 erledigt
Von diesen zwölf Punkten sind zwei nach dem Go-live praktisch nicht mehr nachholbar: die Bestellhistorie und die Gewohnheit. Die Historie, weil das Altsystem irgendwann abgeschaltet wird und der Export dann nicht mehr existiert. Die Gewohnheit, weil sie sich in der ersten Woche bildet und danach nur noch mit Aufwand zu ändern ist.
Alles andere lässt sich reparieren. Das ist die gute Nachricht an einem Projekt, das sich beim Lesen nach viel anfühlt: Der Umfang ist überschaubar, wenn er früh benannt wird. Er wird nur dann groß, wenn er in der Ausschreibung fehlt und in der Abnahme wieder auftaucht.
Wenn bei Ihnen ein Wechsel ansteht und Sie wissen wollen, welche Ihrer B2B-Funktionen die Plattform mitbringt und welche gebaut werden müssen: Lassen Sie uns sprechen — wir sehen uns Ihre heutige B2B-Suite, Ihre Kundenstruktur und die Aufgaben an, die aktuell im Vertrieb landen, und sagen Ihnen, was davon nach dem Wechsel im Konto liegt und was nicht.