Umziehen ist nicht Gründen: Shopsysteme vergleichen, wenn Sie schon eines betreiben
Plattformvergleiche listen Anbieter, Einstiegspreise und Funktionen — und sind für den Start geschrieben. Wer einen laufenden Shop wechselt, vergleicht etwas anderes: welche Arbeit die Plattform übernimmt, wie die Rechnung mit dem Umsatz wächst, was mitkommt und was zurückbleibt. Und warum das heutige System die wichtigste Zeile ist, die in keinem Vergleich steht.
Irgendwann liegt er auf dem Tisch: ein Vergleich von fünfzehn E-Commerce-Plattformen. Jede bekommt einen Absatz, eine Liste mit Vor- und Nachteilen, einen Einstiegspreis und eine Bewertung. Shopify ab 27 Euro im Monat, Shopware als Community Edition kostenlos, Salesforce auf Anfrage.
Solche Vergleiche sind nützlich — für jemanden, der einen Shop gründet. Wer seit acht Jahren einen Onlineshop auf Shopware, Magento oder WooCommerce betreibt, liest dieselbe Liste mit einer anderen Frage im Kopf, und die Liste hat darauf keine Antwort. Denn wer gründet, sucht einen Ort, an dem er anfängt. Wer wechselt, zieht um: mit 6.000 Artikeln, 40.000 Kundenkonten, einer Warenwirtschaft, gewachsenen URLs, zwanzig Plugins und einem Team, das seit Jahren weiß, wo im Backend was liegt.
Dieser Artikel stellt den Plattformvergleich vom Start auf den Umzug um. Vorweg, weil es zur Einordnung gehört: Wir sind eine Shopify-Agentur. Deshalb steht weiter unten auch ein Abschnitt darüber, wann Shopify nicht die richtige Wahl ist.
Ein Vergleich, der für den Start geschrieben ist
Die Kriterien eines klassischen Plattformvergleichs sind nicht falsch. Einstiegspreis, Funktionsumfang, Zahl der Apps, schnelle Einrichtung, Hosting, Bewertungen, Skalierbarkeit — das fragt jeder Vergleich, und jeder Shop braucht Antworten darauf. Sie sind nur auf eine Situation zugeschnitten, in der es noch nichts gibt: keine Daten, keine Anbindungen, keine Gewohnheiten. Jede dieser Fragen hat beim Umstieg eine Entsprechung, und die sieht fast immer anders aus.
Derselbe Vergleich, zwei Lesarten
Was ein Plattformvergleich fragt — und was Sie beim Umstieg fragen müssen
Sieben typische Kriterien eines Plattformvergleichs gelten auch beim Umstieg. Nur setzt jede der Fragen dann einen Shop voraus, den es schon gibt — und für die Umstiegsfrage liefert Ihnen keine Anbieterseite die Antwort.
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Preis
Im Plattformvergleich Ab wie viel Euro im Monat geht es los?
Beim Umstieg Welche Kostenzeilen von heute fallen weg, welche kommen hinzu — und wie wächst die Rechnung mit dem Umsatz?
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Funktionen
Im Plattformvergleich Welche Funktionen sind enthalten?
Beim Umstieg Welche Funktionen stecken heute in Plugins und Eigenentwicklung, und wer baut sie nach?
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Erweiterungen
Im Plattformvergleich Wie viele Apps und Plugins gibt es?
Beim Umstieg Gibt es für jede Erweiterung, die heute Umsatz trägt, einen Ersatz — oder einen guten Grund, sie wegzulassen?
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Einrichtung
Im Plattformvergleich Wie schnell steht der erste Shop?
Beim Umstieg Wie kommen Artikel, Kundenkonten, Bestellhistorie und URLs aus vielen Jahren sauber hinüber?
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Hosting
Im Plattformvergleich Ist das Hosting inklusive?
Beim Umstieg Welche Arbeit, die heute Hoster und Agentur erledigen, übernimmt die neue Plattform — und welche bleibt?
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Bewertung
Im Plattformvergleich Wie zufrieden sind andere mit der Plattform?
Beim Umstieg Gibt es für Ihre Warenwirtschaft, Ihr PIM und Ihren Versand erprobte Anbindungen im deutschsprachigen Raum?
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Zukunft
Im Plattformvergleich Wächst die Plattform mit?
Beim Umstieg Was ließe sich beim nächsten Wechsel wieder mitnehmen — und was nicht?
Wer gründet, vergleicht Plattformen; wer umzieht, vergleicht Übergänge. Jede Umstiegsfrage braucht die Daten Ihres heutigen Shops: Kosten, Plugins, Schnittstellen, Datenbestand. Genau die hat ein Vergleich, der für den Start geschrieben ist, nicht.
Wer gründet, sucht die Plattform, mit der der Start am leichtesten fällt. Für Sie ist es die, bei der die Summe aus Umzug und den nächsten fünf Jahren Betrieb am kleinsten ausfällt — gemessen an dem, was Ihr Shop heute schon kann.
Daraus folgt eine Reihenfolge, die sich in Auswahlprojekten bewährt hat: erst das Betriebsmodell, dann die Kostenmechanik, dann die Frage, was mitkommt — und erst ganz am Ende die Funktionen im Detail. Die meisten Vergleiche gehen genau umgekehrt vor, weil sie beim Start keinen Grund haben, es anders zu machen.
Fünfzehn Anbieter, vier Arten von Arbeitsteilung
Eine Liste mit fünfzehn Namen suggeriert fünfzehn Optionen. Tatsächlich sind es vier Betriebsmodelle, und jedes verteilt die Arbeit am Shop anders zwischen Ihnen und dem Anbieter. Innerhalb eines Modells unterscheiden sich die Systeme in Details. Zwischen den Modellen unterscheiden sie sich darin, wer angerufen wird, wenn der Shop am Black Friday nicht mehr antwortet.
Fünfzehn Anbieter, vier Betriebsmodelle
Wer welche Arbeit trägt
Die 15 Anbieter aus dem Vergleich verteilen sich auf vier Betriebsmodelle. Zwischen ihnen verschiebt sich weniger der Funktionsumfang als die Arbeit: Von 9 Daueraufgaben eines Onlineshops liegen beim SaaS-Shopsystem 2 ganz bei Ihnen, bei selbst betriebener Software 8.
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Baukasten
0 von 9 Aufgaben ganz bei Ihnen
- Wix
- Jimdo
- Squarespace
- Weebly
- Ecwid
- Geteilt
- Theme und Frontend
- Nicht vorgesehen
- Eigene Geschäftslogik
- Anbindung von Warenwirtschaft, PIM und Versand
Nimmt die meiste Arbeit ab und die meisten Möglichkeiten weg. Wer von einem ausgewachsenen Shopsystem kommt, stößt an die fehlenden Anbindungen.
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SaaS-Shopsystem
2 von 9 Aufgaben ganz bei Ihnen
- Shopify
- BigCommerce
- Bei Ihnen oder Ihrer Agentur
- Theme und Frontend
- Anbindung von Warenwirtschaft, PIM und Versand
- Geteilt
- Erweiterungen nach Updates lauffähig halten
- Backups und Wiederherstellung
- Eigene Geschäftslogik
Betrieb und Kernsystem trägt die Plattform. Eigene Logik läuft über vorgesehene Erweiterungspunkte, Anbindungen bleiben Projektarbeit.
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Enterprise-Suite
4 von 9 Aufgaben ganz bei Ihnen
- Salesforce Commerce Cloud
- Spryker
- Bei Ihnen oder Ihrer Agentur
- Erweiterungen nach Updates lauffähig halten
- Theme und Frontend
- Eigene Geschäftslogik
- Anbindung von Warenwirtschaft, PIM und Versand
- Geteilt
- Sicherheitsupdates des Kernsystems
- PCI-Rahmen für Zahlungsdaten
- Versionssprünge des Systems
- Backups und Wiederherstellung
Infrastruktur beim Anbieter, alles darüber ist ein Implementierungsprojekt mit eigenem Team oder Systemintegrator.
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Selbst betriebene Software
8 von 9 Aufgaben ganz bei Ihnen
- WooCommerce
- PrestaShop
- OpenCart
- Shopware
- OXID eShop
- Adobe Commerce
- Bei Ihnen oder Ihrer Agentur
- Server, Skalierung und Lastspitzen
- Sicherheitsupdates des Kernsystems
- Versionssprünge des Systems
- Erweiterungen nach Updates lauffähig halten
- Backups und Wiederherstellung
- Theme und Frontend
- Eigene Geschäftslogik
- Anbindung von Warenwirtschaft, PIM und Versand
- Geteilt
- PCI-Rahmen für Zahlungsdaten
Volle Kontrolle über Code und Server — und damit über jede Aufgabe. Hier kommen die meisten Umsteiger her.
- Bei Ihnen oder Ihrer Agentur
- Geteilt
- Beim Anbieter
- Nicht vorgesehen
Einordnung nach dem jeweils üblichen Betrieb, aus Migrationsprojekten, keine Herstellerangabe. Es gibt Mischformen: Shopware und Adobe Commerce auch als Cloud-Variante, PrestaShop auch als gehosteten Tarif. „Geteilt“ heißt, der Anbieter stellt den Rahmen und Sie füllen ihn aus — etwa bei Apps, die ihr Hersteller pflegt, während Auswahl und Konfiguration bei Ihnen liegen.
Für die meisten Umsteiger ist die Karte der selbst betriebenen Software die vertraute. Wer ein selbst betriebenes System hat, trägt heute fast jede Aufgabe selbst oder bezahlt jemanden dafür: den Hoster für den Server, die Agentur für Updates und für die Frage, ob nach dem Sicherheitsupdate noch alle Plugins laufen. Diese Arbeit taucht in keinem Plattformvergleich als Preis auf, weil sie beim Gründen noch nicht existiert.
Zwei Modelle fallen für wachsende Shops meist früh heraus. Baukästen nehmen am meisten Arbeit ab, aber sie nehmen auch Möglichkeiten weg: Eigene Geschäftslogik und tiefe Anbindungen an eine Warenwirtschaft sind dort nicht vorgesehen. Wer von einem ausgewachsenen Shopsystem kommt, merkt das nicht am ersten Tag, sondern an dem Tag, an dem die erste Schnittstelle fehlt. Enterprise-Suiten wie Salesforce Commerce Cloud oder Spryker sind für Konzerne und komplexen B2B-Handel gebaut. Ihre Preise stehen auf keiner Website, und ihre Einführung ist ein Projekt mit eigenem Team.
Die eigentliche Abwägung liegt für die meisten mittelständischen Händler zwischen den beiden anderen Karten: dem SaaS-Shopsystem, das Betrieb und Kernsystem übernimmt und dafür Grenzen bei der eigenen Logik setzt, und selbst betriebener Software, die jede Freiheit lässt und jede Aufgabe mitliefert. Was sich an Server, Skalierung und Zuständigkeiten dabei konkret verschiebt, haben wir in Eigener Server oder Cloud aufgeschlüsselt.
Der Einstiegspreis ist die kleinste Zahl im Vergleich
Plattformvergleiche ordnen gern nach dem günstigsten Tarif. Für Umsteiger ist das die am wenigsten aussagekräftige Zahl, und das hat zwei Gründe.
Der erste: Sie fangen nicht im Einstiegstarif an. Ein Shop mit Millionenumsatz, mehreren Lagern und Mitarbeiterkonten für ein ganzes Team landet ohnehin in den oberen Stufen — und dort ist das Preismodell wichtiger als der Preis.
Der zweite: Beim Umstieg vergleichen Sie nicht zwei Preislisten, sondern eine Preisliste mit einer Kostenstruktur, die es heute schon gibt. Im selbst betriebenen System steht die Lizenz oft als kleiner Posten in der Buchhaltung. Hosting, Wartungsvertrag, Plugin-Gebühren und die Stunden, in denen die Agentur nach einem Update Erweiterungen repariert, stehen auf anderen Rechnungen. In den Vergleich gehören sie trotzdem.
Wie die Rechnung mitwächst
Vier Preismechaniken, und welcher Anbieter welche nutzt
Ein laufender Shop landet nicht im Einstiegstarif. Aussagekräftiger als der kleinste Preis ist, woran die Rechnung hängt. Bei 3 der 10 Systeme wächst sie ganz oder teilweise mit dem Umsatz, bei 6 steht zumindest ein Teil der Preise auf keiner Website.
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Fester Tarif
Die Rechnung bleibt gleich, bis Sie selbst in einen höheren Tarif wechseln — etwa für mehr Konten oder Funktionen.
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Umsatzstufen
Überschreitet der Umsatz eine Schwelle, folgt die nächste Stufe, teils automatisch. Planbar ist das nur mit einer Umsatzplanung.
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Prozent je Zahlung
Eine Gebühr auf Zahlungen über fremde Zahlungsanbieter wächst mit jedem Euro Umsatz linear mit.
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Eigenbetrieb
Hosting, Wartung und Agenturstunden steigen in Sprüngen — am höchsten beim nächsten Versionssprung des Systems.
| System und Einstieg | Fester Monatstarif | Stufe hängt am Umsatz | Gebühr bei fremdem Zahlungsanbieter | Hosting und Betrieb separat | Mindestlaufzeit | Preis nur auf Anfrage |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Shopify ab 27 € bei jährlicher Zahlung, Plus ab 2.100 € Zusatzgebühr von 2 %, 1 %, 0,6 % bzw. 0,2 % je nach Tarif auf Zahlungen über externe Anbieter statt Shopify Payments; Plus als 1- oder 3-Jahres-Abo | ja | keine öffentliche Angabe | ja | keine öffentliche Angabe | teilweise, je nach Tarif oder Variante | keine öffentliche Angabe |
| BigCommerce ab 29 $ (ca. 27 €) Automatische Höherstufung über der Umsatzschwelle; Gebühr 2 %, 1 % oder 0,6 % je nach Tarif | ja | ja | ja | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | teilweise, je nach Tarif oder Variante |
| Shopware Community Edition kostenlos, Rise ab 600 € Kostenpflichtige Tarife zusätzlich nach Umsatz; Beyond auf Anfrage | teilweise, je nach Tarif oder Variante | ja | keine öffentliche Angabe | teilweise, je nach Tarif oder Variante | keine öffentliche Angabe | teilweise, je nach Tarif oder Variante |
| OXID eShop Abo ab 121 € 36 Monate Mindestlaufzeit im Abo, alternativ Lizenzkauf mit jährlicher Wartungsgebühr | ja | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | ja | teilweise, je nach Tarif oder Variante | teilweise, je nach Tarif oder Variante |
| Adobe Commerce individuell Selbst gehostet oder als von Adobe verwaltete Cloud | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | teilweise, je nach Tarif oder Variante | keine öffentliche Angabe | ja |
| WooCommerce Plugin kostenlos Hosting und kostenpflichtige Erweiterungen kommen hinzu | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | ja | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe |
| PrestaShop Classic kostenlos, Hosted 24 € Classic selbst gehostet, Hosted als Monatstarif | teilweise, je nach Tarif oder Variante | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | teilweise, je nach Tarif oder Variante | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe |
| OpenCart kostenlos Hosting, Themes und Erweiterungen separat | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | ja | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe |
| Salesforce Commerce Cloud auf Anfrage | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | ja |
| Spryker auf Anfrage | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | keine öffentliche Angabe | ja |
- trifft zu
- je nach Tarif oder Variante
- keine öffentliche Angabe
Aus der Tabelle lässt sich ablesen, welche Fragen in ein Angebot gehören, bevor unterschrieben wird. Wo die Rechnung am Umsatz hängt, braucht der Vergleich Ihre Umsatzplanung, nicht Ihren heutigen Umsatz. Wo eine Gebühr auf fremde Zahlungsanbieter fällt, braucht er Ihre tatsächliche Verteilung der Zahlungsarten. Bei Shopify betrifft das Zahlungen, die über einen externen Anbieter statt über Shopify Payments laufen; was das für Rechnungskauf und Spezialanbieter bedeutet, steht in Zahlungs-APIs bei Shopify. Und wo eine Mindestlaufzeit steht, ist sie Teil der Kosten, die ein späterer Ausstieg verursacht.
Preislisten sind außerdem Momentaufnahmen. BigCommerce hat im Juni 2026 seine Tarife umbenannt, die Umsatzschwellen gesenkt und eine Gebühr für Shops mit fremden Zahlungsanbietern eingeführt; die nativen Integrationen für Meta und Google waren schon im März weggefallen. Das ist kein Argument gegen einen bestimmten Anbieter, denn Preise und Konditionen ändern sich bei jeder Plattform, auch bei Shopify. Es ist ein Argument dafür, bei der Auswahl nicht nur zu fragen, was etwas heute kostet, sondern wie viel Spielraum der Anbieter hat, das nach Ihrer Entscheidung zu ändern.
Die sechzehnte Zeile: Ihr heutiges System
In keinem Plattformvergleich steht die Option, die bei jeder Umstiegsentscheidung tatsächlich auf dem Tisch liegt: das Bleiben. Sie verdient dieselbe Ehrlichkeit wie jede andere Zeile, und die Ehrlichkeit fängt bei den Kosten an, die im Status quo auf keiner Rechnung stehen.
Bleiben heißt selten, nichts zu tun. Die großen Versionssprünge selbst betriebener Systeme waren in der Vergangenheit Umzüge unter anderem Namen. Beim Wechsel von Shopware 5 auf Shopware 6 und von Magento 1 auf Magento 2 entstanden Datenmodell, Plugins und Theme weitgehend neu. Wer heute auf einer Version sitzt, deren Wartung ausläuft oder schon ausgelaufen ist, vergleicht deshalb nicht Umzug gegen Stillstand, sondern Umzug gegen Umzug — einmal zu einem anderen Anbieter, einmal innerhalb desselben.
Zum Status quo gehören außerdem die Kosten, die längst als Normalität verbucht sind: die Wartungsfenster vor jedem Update, der Plugin-Konflikt nach jedem zweiten, die zusätzlichen Server fürs Weihnachtsgeschäft und die Weiterentwicklung, die nicht stattfindet, weil das Budget im Betrieb steckt.
Das heißt nicht, dass Bleiben die falsche Antwort ist. Es heißt, dass die Zeile in den Vergleich gehört: mit vollständigen Betriebskosten und mit dem nächsten Versionssprung im Planungszeitraum. Wie lange ein Wechsel realistisch dauert, falls die Antwort doch „umziehen“ lautet, steht in Wie lange dauert ein Shopsystem-Wechsel?
Was mitkommt, bestimmt auch den nächsten Wechsel
Ein Plattformvergleich fragt, was ein System kann. Beim Umstieg ist die wichtigere Frage, was aus dem alten System hinüberkommt. Die Antwort hängt überraschend wenig davon ab, wohin Sie wechseln: Artikel und Kundendaten lassen sich zwischen allen ernsthaften Shopsystemen übertragen, und was zurückbleibt, bleibt bei fast jedem Ziel zurück. Die Beispiele in der Grafik beziehen sich auf Shopify.
Umzugsgut
Was aus dem alten Shop mitkommt — und was nicht
Von 14 typischen Bestandteilen eines gewachsenen Shops kommen 4 ohne Umbau hinüber und 5 mit Umbau. Zurück bleiben 5 — beim Wechsel auf Shopify wie auf fast jede andere Plattform. Die Beispiele beziehen sich auf Shopify.
Kommt mit
per Import, Aufwand steckt in der Bereinigung
- Artikel, Varianten und Preise Per Import mit Zuordnung der Felder. Die Arbeit liegt im Aufräumen, nicht im Transport.
- Kundenstammdaten und Adressen Vollständig übertragbar, Kundengruppen als Tags oder Segmente.
- Bestellhistorie Kommt als Archiv für Service und Auswertung mit, wird aber nicht mehr bearbeitet.
- Bilder und Medien Werden neu hochgeladen; Dateinamen und Alt-Texte lassen sich mitnehmen.
Kommt mit Umbau
Inhalt bleibt, Struktur ändert sich
- Kategorien und Filter Aus einem Kategoriebaum werden auf Shopify Kollektionen und Filter. Die Logik bleibt, die Struktur nicht.
- Eigene Felder und Attribute Freitextfelder und Eigenschaften werden auf Shopify zu Metafeldern — mit neuem Namen und festem Datentyp.
- URLs Die Pfade ändern sich fast immer. Jede indexierte Adresse braucht eine Weiterleitung.
- Gutscheine und Guthaben Codes werden neu angelegt, offene Guthaben meist als Geschenkkarten übertragen.
- Laufende Abos Zahlungsverträge hängen am Zahlungsanbieter, nicht am Shop. Ohne dessen Mitwirkung schließen Kund:innen neu ab.
Bleibt zurück
entsteht auf der neuen Plattform neu
- Kundenpasswörter Liegen nur als nicht rückrechenbarer Wert vor. Shopify übernimmt solche Werte nicht; erhalten bleiben sie höchstens beim Versionssprung im selben System.
- Logik aus Plugins und Eigenentwicklung Wird neu gebaut, durch Standard ersetzt oder bewusst weggelassen. Der größte Posten jeder Migration.
- Theme und Templates Entstehen neu, auch wenn das Design gleich bleiben soll.
- Lernstand von Suche und Empfehlungen Beginnt bei null und braucht Wochen mit echtem Traffic.
- Routinen des Teams im Backend Abläufe, Berechtigungen und Handgriffe werden neu eingeübt.
Die Spalte „Bleibt zurück“ ist auch die Rechnung für den übernächsten Wechsel. Jede Regel, die Sie auf der neuen Plattform als Eigenentwicklung bauen, bleibt beim nächsten Umzug wieder zurück. Bindung an eine Plattform entsteht deshalb weniger durch den Anbieter als durch die Menge an Logik, die nur dort läuft.
Zwei Einträge daraus werden in fast allen Projekten unterschätzt.
Die Kundenpasswörter. Kein seriöses System speichert sie im Klartext, sondern nur als nicht rückrechenbaren Wert — und solche fremden Werte übernimmt Shopify nicht. Nur bei einem Versionssprung innerhalb desselben Systems, etwa von Shopware 5 auf 6, können die alten Passwörter erhalten bleiben. Für Bestandskund:innen bedeutet das nach dem Umstieg eine neue Anmeldung. Auf Shopify wiegt das weniger schwer, weil die neuen Kundenkonten mit einem Einmalcode per E-Mail statt mit Passwort arbeiten — angekündigt werden muss der Wechsel trotzdem. Welche anderen Risiken in Migrationen tatsächlich eintreten, haben wir in Risikomanagement beim Plattformwechsel gesammelt.
Die Logik aus Plugins und Eigenentwicklung. Sie ist der größte Posten jeder Migration und zugleich der Teil, der beim Vergleichen am wenigsten sichtbar ist, weil er in keinem Datenfeld steht. Ein Rabatt, der nur für eine Kundengruppe in einer bestimmten Kategorie gilt, eine Versandregel für Sperrgut, eine Prüfung der Mindestbestellmenge: Jede dieser Regeln lebt heute in Code, der beim Umzug nicht mitkommt. Die Inventur dieser Regeln ist deshalb die wertvollste Vorarbeit eines Plattformvergleichs — und sie ist auch dann nicht umsonst, wenn das Ergebnis „bleiben“ lautet.
Die Spalte „Bleibt zurück“ gehört deshalb zweimal in die Entscheidung: einmal für diesen Umzug und einmal für den nächsten. Das spricht nicht gegen individuelle Lösungen. Es spricht dafür, sie dort zu bauen, wo die Plattform einen vorgesehenen Erweiterungspunkt hat, und bei jeder Anforderung zu fragen, ob sie heute noch Umsatz trägt. Wann ein angepasstes Theme genügt und wann eine eigene App sinnvoll ist, steht in Custom Liquid Theme oder Custom App.
Entschieden wird an den schwierigsten Daten
Am Ende vieler Auswahlprozesse steht eine Demo: Ein Anbieter oder eine Agentur zeigt einen Shop, der gut aussieht und schnell lädt. Über Ihren Umstieg sagt das wenig, denn die Demo ist mit Daten gebaut, die keine Probleme machen. Wie eine Auswahl aussieht, die vom Umzug her denkt, zeigt ein Beispiel.
Eine Auswahl vom Umzug her
Von 15 auf eins in 5 Fragen
Ein Sportfachhändler vergleicht dieselben 15 Anbieter. Keine der Fragen ist eine Funktionsfrage. Funktionsfragen kommen erst, wenn 2 Kandidaten übrig sind.
- rund 6.000 Artikel in Größenvarianten
- Versand nach DE, AT und CH
- Warenwirtschaft per Schnittstelle
- zwei Personen im E-Commerce
- Entwicklung über eine Agentur
- heute Shopware 5
- Frage 1 10 übrig
Trägt das Betriebsmodell das Sortiment?
- Wix
- Jimdo
- Squarespace
- Weebly
- Ecwid
Tausende Varianten, Franken neben Euro und eine Warenwirtschaft per Schnittstelle sind im Baukasten nicht vorgesehen. Squarespace zeigt nur eine Währung gleichzeitig, Weebly kennt nur einen Mehrwertsteuersatz, Ecwid ist auf kleine Sortimente zugeschnitten.
- Frage 2 7 übrig
Passt der Aufwand zum Umsatz?
- Salesforce Commerce Cloud
- Spryker
- Adobe Commerce
Enterprise-Plattformen und -Editionen ohne öffentliche Preise, deren Einführung ein eigenes Implementierungsteam braucht. Für einen Fachhändler dieser Größe steht das in keinem Verhältnis zum Onlineumsatz.
- Frage 3 3 übrig
Kann das Team den Betrieb tragen?
- WooCommerce
- PrestaShop
- OpenCart
- OXID eShop
Selbst betriebene Systeme brauchen jemanden, der Server, Updates und Plugin-Kompatibilität dauerhaft verantwortet. Diese Stelle gibt es nicht. Shopware bleibt als Kandidat des Status quo: der Sprung auf Version 6, mit Wartungsvertrag oder als Cloud-Tarif.
- Frage 4 2 übrig
Gibt es die Anbindungen schon?
- BigCommerce
Für die vorhandene Warenwirtschaft gibt es in diesem Fall keinen erprobten Connector, er müsste neu entstehen.
- Frage 5 1 Entscheidung
Was zeigt die Probe mit eigenen Daten?
- Shopify
- Shopware 6
Beide Kandidaten bekommen dieselben zwanzig schwierigsten Artikel, einen echten Kundenexport und einen Durchstich zur Warenwirtschaft. Entschieden wird am Ergebnis nach drei Wochen, nicht an der Präsentation.
Der letzte Schritt ist der, den die meisten Auswahlprozesse auslassen. Er kostet zwei bis drei Wochen und ersetzt Monate an Annahmen. Die Regel dafür ist einfach: Nicht die typischen Daten testen, sondern die schwierigsten. In eine solche Probe gehören:
- die zwanzig Artikel, die heute die meisten Sonderfälle erzeugen: viele Varianten, Sets, Grundpreise, Konfigurationen,
- ein echter, pseudonymisierter Kundenexport und die Bestellungen eines Jahres,
- die komplizierteste Preis- oder Versandregel aus dem heutigen Shop,
- ein Durchstich zur Warenwirtschaft: ein Artikel, ein Bestand, eine Bestellung, hin und zurück,
- die fünfzig meistbesuchten URLs mit ihren künftigen Weiterleitungen,
- und ein Arbeitstag des Teams im Backend: Bestellung bearbeiten, Retoure buchen, Gutschrift erstellen.
Was an dieser Probe scheitert, wäre auch im Projekt gescheitert — nur später und teurer. Ein Artikel mit mehr Optionen, als die Plattform vorsieht, ist in der Probe ein Befund und im Projekt ein Nachtrag. Wie Shopify mit Varianten und Optionen umgeht, haben wir in Produktkonfigurator auf Shopify beschrieben. Und weil eine Probe von der Arbeitsweise lebt, sagt sie ganz nebenbei viel über den möglichen Umsetzungspartner: Drei Angebote, Faktor drei.
Wann Shopify nicht die richtige Antwort ist
Wir setzen Migrationen auf Shopify um. Genau deshalb gehört dieser Abschnitt hierher: Eine Auswahl, deren Ergebnis vorher feststeht, ist keine. In diesen Fällen raten wir im Erstgespräch von Shopify ab oder mindestens zu einer sehr gründlichen Probe.
Das Geschäftsmodell ist ein Marktplatz. Wenn viele unabhängige Verkäufer:innen über Ihre Plattform verkaufen, mit eigenen Auszahlungen und Provisionen, ist das nicht der Fall, für den Shopify gebaut ist. Dafür gibt es spezialisierte Systeme.
Die Kernlogik steckt im Bestellprozess und passt in keinen Erweiterungspunkt. Mehrstufige Freigaben, individuelle Angebote mit Verhandlungsschleifen, Preise, die erst eine externe Kalkulation im Moment der Bestellung ermittelt: Vieles davon lässt sich auf Shopify abbilden, manches nur mit Umwegen. Wenn der Umweg das Geschäftsmodell ist, gehört er in die Probe, bevor irgendetwas unterschrieben wird. Wie sich B2B-Anforderungen dafür sortieren lassen, steht in B2B-Kundenkonten beim Shopify-Umstieg.
Die Daten müssen auf eigenen Servern liegen. Wenn Verträge oder Branchenvorgaben das verlangen, scheidet jede SaaS-Plattform aus, nicht nur Shopify.
Sie wollen die Plattform selbst weiterentwickeln. Ein eigenes Entwicklungsteam, das den Shop als Produkt versteht und die Betriebsarbeit bewusst trägt, zieht aus selbst betriebener Software einen echten Vorteil. Wer diese Arbeit dagegen nur trägt, weil das System es verlangt, bezahlt für eine Freiheit, die er nicht nutzt.
Checkliste
Plattformvergleich beim Umstieg: fünfzehn Punkte
Die ersten fünf Punkte gehören vor jeden Kontakt mit einem Anbieter, die nächsten fünf in die Auswahl, der Rest in Probe und Entscheidung. Ihre Häkchen bleiben in diesem Browser gespeichert.
0 von 15 erledigt
Was für Ihre Ausgangslage sinnvoll ist
| Ihre Situation | Der nächste Schritt |
|---|---|
| Sie haben einen Plattformvergleich gelesen und fünf Favoriten | Zuerst das Betriebsmodell festlegen. Aus fünf Favoriten in drei Modellen werden meist zwei ernsthafte Kandidaten |
| Ihr System läuft aus der Wartung | Den Versionssprung als eigene Option durchrechnen. Er ist in der Regel auch ein Umzug, nur beim selben Hersteller |
| Die Agenturrechnungen für den Betrieb wachsen jedes Jahr | Die Stunden eines Jahres nach Betrieb und Weiterentwicklung trennen. Der Betriebsanteil ist der Teil, den ein anderes Modell übernehmen würde |
| Ihr Shop hängt an vielen Eigenentwicklungen | Jede davon auf ihren Umsatzbeitrag prüfen, bevor sie in ein Pflichtenheft wandert |
| Sie kommen von einem Baukasten und stoßen an Grenzen | Die fehlende Anbindung oder Regel benennen, die den Wechsel auslöst — sie ist das wichtigste Kriterium der Probe. Wege von Wix, Jimdo und Squarespace |
| Zwei Kandidaten liegen gleichauf | Eine Probe mit den schwierigsten eigenen Daten statt einer weiteren Präsentation |
| Ihr Umsatz soll in drei Jahren deutlich wachsen | Die Preismechanik mit der Planung rechnen, nicht mit dem heutigen Umsatz |
| Die Warenwirtschaft ist das Herz des Unternehmens | Zuerst prüfen, welche Kandidaten eine erprobte Anbindung haben. Welche Muster sich bewähren: ERP-Shopify-Integration |
| Sie verkaufen überwiegend an Geschäftskunden | B2B-Anforderungen nach Preisen, Freigaben und Konten sortieren, bevor Anbieter verglichen werden: B2B-Kundenkonten beim Umstieg |
| Ihre Daten müssen auf eigenen Servern liegen | SaaS-Plattformen früh ausschließen und die Betriebsarbeit von Anfang an ehrlich einplanen |
| Die Plattform steht fest, der Partner noch nicht | Angebote nicht nach Preis, sondern nach Vorgehen vergleichen: Umsetzungspartner auswählen |
Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen sollten
Ein Plattformvergleich beantwortet, womit man am besten anfängt. Beim Umstieg lautet die Frage, wohin man am besten umzieht — gemessen an dem, was schon da ist.
Vergleichen Sie Betriebsmodelle, bevor Sie Anbieter vergleichen. Fünfzehn Namen sind vier Arten, die Arbeit am Shop zu verteilen. Die Entscheidung, welche Daueraufgaben Sie künftig selbst tragen wollen, schließt mehr Kandidaten aus als jede Funktionsliste.
Rechnen Sie Mechaniken statt Einstiegspreise — und rechnen Sie das heutige System mit. Umsatzstufen, Zahlungsgebühren und Mindestlaufzeiten entscheiden über die Kosten der nächsten Jahre. Der Status quo gehört mit vollständigen Betriebskosten und dem nächsten Versionssprung in dieselbe Tabelle.
Entscheiden Sie an Ihren schwierigsten Daten. Was mitkommt, ist bei allen Zielen ähnlich. Was zurückbleibt, ist die eigentliche Arbeit — und die Rechnung für den übernächsten Wechsel. Eine Probe mit echten Sonderfällen zeigt das in drei Wochen statt mitten im Projekt.
Wenn Sie vor der Plattformwahl stehen und den Vergleich von Ihrem heutigen Shop aus aufsetzen wollen — oder wenn zwei Kandidaten übrig sind und Sie eine ehrliche Probe brauchen: Lassen Sie uns sprechen. Wie wir Migrationen angehen, steht auf Shopsystem-Migration; die systemspezifischen Wege auf Shopware zu Shopify, Magento zu Shopify, WooCommerce zu Shopify und OXID zu Shopify. Warum ein Umstieg mehr ordnet als nur das Shopsystem, beschreibt Digitales Ökosystem beim Shopify-Umstieg.