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Neue Titel über Nacht: Was beim Umstieg auf Shopify aus Ihren Seitentiteln wird

Im alten Shop ist der Seitentitel kein Feld, sondern eine Formel aus gepflegtem Text, Ersatzwert und Systemzusatz. Der Import nimmt davon nur das Feld mit — den Rest baut das Shopify-Theme nach eigener Regel neu. Warum sich deshalb am Go-live-Tag fast jeder Title-Tag ändert, welche Fehler das Standard-Theme dabei mitbringt und wie Sie Titel erst umziehen und dann verbessern.

DE
Daniel Ehrhardt
Geschäftsführer & Head of Development
16 Min.
Editorial Illustration: links fünf waagerechte Balkenreihen aus tintenschwarzen, sandfarbenen und goldenen Segmenten, rechts dieselben fünf Reihen nach dem Umzug. Die schwarzen Segmente sind geblieben, die sandfarbenen zu leeren Umrissen geschrumpft, die goldenen verschwunden, und jede Reihe endet nun in einem gleich langen terrakottafarbenen Segment. Dazwischen eine gestrichelte goldene Senkrechte. Sinnbild für Seitentitel, von denen beim Umstieg nur das gepflegte Feld mitkommt, während das neue System allen denselben Zusatz anhängt.

Drei Wochen nach dem Go-live sitzt das Team vor der Search Console. Die Positionen der wichtigsten Kategorieseiten haben den Umzug gut überstanden, die Weiterleitungen greifen, die Indexierung ist durch. Nur die Klickrate will nicht zurück auf das alte Niveau.

Jemand sucht den eigenen Shop bei Google und liest die Treffer vor. „Regenjacken – Muster Outdoor GmbH“ — früher stand dort „Regenjacken - Jacken - Herren | Muster Outdoor“. „Regenjacke Luna, wasserdicht | Muster Outdoor – Muster Outdoor GmbH“, die Marke zweimal. Und auf der zweiten Seite der Kategorie: „Regenjacken – Page 2 – Muster Outdoor GmbH“, ein englisches Wort mitten in einem deutschen Shop.

Niemand hat einen dieser Titel geändert. Der Import ist sauber gelaufen, jedes gefüllte Meta-Feld steht im neuen Shop im Feld „SEO-Titel“. Trotzdem hat sich am Go-live-Tag der Title-Tag fast jeder Seite geändert — am selben Tag, an dem sich auch alle Adressen geändert haben. Welcher der beiden Umbrüche die Klicks kostet, kann jetzt niemand mehr sagen.

Ratgeber zum Title-Tag erklären, wie ein guter Seitentitel aussieht: Suchbegriff nach vorn, rund 50 bis 60 Zeichen, Marke kurz ans Ende, jede Seite ein eigener Titel. Das ist richtig und bleibt es nach dem Umstieg. Beim Systemwechsel steht aber eine andere Frage davor: nicht, wie ein guter Titel lautet, sondern wer ihn nach dem Umstieg schreibt. Im alten Shop war das eine Arbeitsteilung zwischen Redaktion und Systemlogik, die nie jemand aufgeschrieben hat. Bei Shopify übernimmt das Theme einen Teil davon — nach seinen eigenen Regeln.

Im Altsystem ist der Titel eine Formel

Woraus ein Title-Tag besteht

Feld, Ersatzwert, Zusatz: Drei Bausteine, und der Export kennt nur einen

Was im Suchergebnis als Titel erscheint, setzt jedes Shopsystem nach eigener Regel zusammen. Das gepflegte Feld ist nur einer von drei Bausteinen. Die anderen beiden sind Programmlogik — sie stehen in keiner Exportdatei, und Shopify ersetzt sie durch eigene.

  • Gepflegtes Feld
  • Ersatzwert, wenn leer
  • Systemzusatz
  1. Shopware 6

    Standard-Storefront

    Formel: Meta-TiteloderName | Optionen | Produktnummer

    Beispiel Regenjacke Luna | Rot | XL | SW10023

    Feld
    Meta-Titel an Produkt und Kategorie, je Sprache gepflegt
    Wenn leer
    Produkt: Name, gewählte Variantenoptionen und Produktnummer, getrennt durch „|“. Kategorie: der Kategoriename.
    Zusatz
    Keiner. Der Shopname steht nur im Titel, wenn ihn jemand hineingeschrieben hat.

    Im Export Das Feld je Sprache. Die Zusammensetzung aus Optionen und Produktnummer nicht.

  2. Magento 2

    Standardkonfiguration

    Formel: Präfix+meta_titleoderName bzw. Pfad+Suffix

    Beispiel Regenjacken - Jacken - Herren | Muster Outdoor

    Feld
    meta_title an Produkt und Kategorie, je Store View gepflegt
    Wenn leer
    Produkt: der Produktname. Kategorie: der ganze Pfad rückwärts, getrennt durch „-“.
    Zusatz
    Präfix und Suffix aus der Design-Konfiguration unter HTML Head, je Store View.

    Im Export Das Feld je Store View. Pfad, Präfix und Suffix nicht.

  3. WooCommerce

    mit Yoast SEO

    Formel: eigener SEO-Titeloder%%title%%%%page%% %%sep%% %%sitename%%

    Beispiel Regenjacke Luna - Muster Outdoor

    Feld
    SEO-Titel im Yoast-Kasten, als Metadatum am Produkt gespeichert — samt Platzhaltern wie %%sitename%%
    Wenn leer
    Die Vorlage des Inhaltstyps, ab Werk %%title%% %%page%% %%sep%% %%sitename%%.
    Zusatz
    Teil derselben Vorlage: Seitenzahl, Trennzeichen, Website-Titel.

    Im Export Nur wenn der Export Metadaten enthält — und dann als Rohtext mit unaufgelösten Platzhaltern.

  4. Shopify

    Dawn und Horizon

    Formel: SEO-TiteloderTitel+– Page n – Shopname

    Beispiel Regenjacken – Page 2 – Muster Outdoor GmbH

    Feld
    SEO-Titel an Produkt, Kollektion, Seite und Blogartikel, bis 70 Zeichen
    Wenn leer
    Der Titel des Produkts oder der Kollektion — ohne Optionen, ohne Pfad.
    Zusatz
    „– tagged …“, „– Page n“ und „– Shopname“, Letzteres nur, wenn der Name nicht schon im Titel steht.

    Beim Import Zielfeld im Import ist die Spalte „SEO Title“. Die Regel für den Zusatz steht im Theme-Code.

Standardverhalten ohne SEO-Erweiterungen und ohne angepasstes Theme; beides verschiebt einzelne Bausteine. Andere WordPress-SEO-Plugins speichern Titel anders als Yoast. Nach Quellcode von Shopware 6.5, 6.6 und dem aktuellen Entwicklungszweig, Magento 2.4, Yoast SEO und den Shopify-Themes Dawn und Horizon, Stand September 2026.

Wer im alten Shop einen Meta-Titel gepflegt hat, hat damit nur einen Teil dessen bestimmt, was bei Google erscheint. Der Rest kam aus Regeln, die jemand einmal eingestellt oder die das System mitgebracht hat: das Suffix in der Magento-Konfiguration, die Titelvorlage in Yoast, der zusammengesetzte Ersatzwert in Shopware. Solange sie funktionieren, sind diese Regeln unsichtbar, und genau deshalb stehen sie in keinem Migrationskonzept.

Für den Umstieg zählt eine einfache Unterscheidung: Felder wandern, Regeln nicht. Ein Meta-Titel ist ein Wert in einer Datenbankspalte und lässt sich exportieren. Ein Suffix, ein Ersatzwert oder ein Platzhalter wie %%sitename%% ist Programmlogik, die erst beim Seitenaufruf ausgeführt wird. In der Exportdatei steht davon bestenfalls ein unaufgelöster Rest.

Daraus folgt etwas Unbequemes: Die gefährdetsten Titel sind nicht die ungepflegten, sondern die, die im alten Shop gut aussahen, obwohl ihr Feld leer war. In gewachsenen Katalogen ist das oft ein großer Teil. Magento baut Kategorietitel ohne Meta-Titel aus dem ganzen Pfad, Shopware setzt bei Produkten Variantenoptionen und Produktnummer dazu. Auf Shopify bleibt davon der nackte Titel des Produkts oder der Kollektion.

Was am Go-live-Tag in Google steht

Vorher und nachher

Fünf Seiten, niemand hat etwas geändert

Jedes Beispiel stammt aus einem sauber gelaufenen Import: Alle gefüllten Felder sind angekommen. Die Unterschiede entstehen allein daraus, dass Ersatzwert und Zusatz jetzt aus dem Shopify-Theme kommen statt aus dem alten System.

  1. Magento 2

    Kategorie ohne Meta-Titel, Suffix konfiguriert

    Vorher 46 Zeichen

    Nach dem Import 33 Zeichen

    Ersatzwert und Suffix waren Magento-Logik

    Der Pfad stand nie in einem Feld, sondern entstand beim Seitenaufruf aus dem Kategoriebaum. Mit ihm verschwindet das Wort „Herren“ aus dem Titel — auf einer Seite, die womöglich genau dafür rankt.

  2. Magento 2

    Produkt mit Meta-Titel, Marke von Hand eingetragen, kein Suffix

    Vorher 45 Zeichen

    Nach dem Import 67 Zeichen

    Shopname in den Einstellungen anders geschrieben

    Das Theme hängt den Shopnamen nur an, wenn er nicht schon im Titel steht. Geprüft wird die Zeichenfolge „Muster Outdoor GmbH“ aus den Shop-Einstellungen — im Titel steht aber nur „Muster Outdoor“.

  3. WooCommerce mit Yoast SEO

    Produkt mit eigenem SEO-Titel, Metadatum roh importiert

    Vorher 45 Zeichen

    gespeichert als %%title%%, wasserdicht %%sep%% %%sitename%%

    Nach dem Import 65 Zeichen

    Platzhalter werden nur in WordPress aufgelöst

    Yoast speichert den eigenen Titel mit Platzhaltern und setzt die Werte erst bei der Ausgabe ein. Wer das Metadatum unbesehen in die Spalte „SEO Title“ legt, importiert die Platzhalter. Fehlt das Metadatum im Export ganz, steht dort stattdessen nur „Regenjacke Luna“.

  4. Shopware 6

    Variante ohne Meta-Titel

    Vorher 36 Zeichen

    Nach dem Import 37 Zeichen

    Ersatzwert pro Variante gibt es nicht mehr

    Shopware setzt Optionen und Produktnummer ein, Shopify nimmt den Produkttitel, und alle Varianten teilen sich einen Titel. Dazu kommt ein Shopname, den die Shopware-Storefront nie angehängt hat — auf jeder einzelnen Seite.

  5. Shopify selbst

    Dieselbe Kollektion, Seite 1 und Seite 2

    Seite 1 33 Zeichen

    Seite 2 42 Zeichen

    Englisches Wort fest im Theme-Code

    Dawn und Horizon schreiben „Page“ und bei Tag-Seiten „tagged“ direkt in das Title-Tag, statt die Sprachdatei zu fragen. Die deutsche Übersetzung „Seite“ liegt im Theme bereit, sie wird an dieser Stelle nur nicht benutzt.

Schematische Darstellung, keine echten Suchergebnisse; Shop und Produkte sind erfunden. Titel so, wie das jeweilige System sie im Standard ausgibt; Google kann den angezeigten Titellink zusätzlich umschreiben.

Die fünf Fälle sehen verschieden aus, gehen aber auf drei Mechanismen zurück, die in fast jedem Projekt gemeinsam auftreten.

Der Ersatzwert ist ein anderer. Ist der SEO-Titel leer, nimmt Shopify den Titel des Produkts oder der Kollektion. Das ist sauber und oft sogar besser als ein Ersatzwert mit Artikelnummer. Es ist aber eine Änderung, und sie trifft jede Seite, deren Feld im alten Shop leer war, auf einen Schlag. Wo der alte Ersatzwert einen Suchbegriff enthielt, der jetzt fehlt — wie „Herren“ im Magento-Pfad —, lohnt es sich, den alten Titel ausgeschrieben in das Feld zu importieren.

Der Zusatz kommt aus dem Theme. Dawn und Horizon hängen an jeden Titel den Shopnamen aus den Einstellungen, es sei denn, er steht schon darin. Für Umsteiger aus der Shopware-Storefront, die keinen Shopnamen anhängt, ändert sich damit praktisch jeder Titel, auch die sorgfältig gepflegten. Für Umsteiger aus Magento ändert sich die Schreibweise: Aus einem konfigurierten „| Muster Outdoor“ wird „– Muster Outdoor GmbH“, wenn in den Shopify-Einstellungen der Firmenname als Shopname steht.

Die Prüfung auf Doppelungen ist wörtlich. Das Theme fragt nur, ob der Shopname als Zeichenfolge im Titel vorkommt. „Muster Outdoor“ ist nicht „Muster Outdoor GmbH“, „Muster-Outdoor“ auch nicht. Wer beim Import die alte Marke in die SEO-Titel schreibt, um die gewohnte Optik zu erhalten, bekommt sie deshalb doppelt. Die Abhilfe liegt nicht in tausend Feldern, sondern im Titelblock des Themes. Den Shopnamen selbst umzubenennen ist meist die schlechtere Lösung, weil er auch außerhalb der Titel verwendet wird, etwa in den E-Mail-Benachrichtigungen.

Zwei Sonderfälle gehören in jede Prüfung, weil sie in keinem Importprotokoll als Fehler auftauchen. Erstens die Platzhalter: Yoast speichert selbst formulierte Titel mit Variablen wie %%title%% oder %%sitename%% und löst sie erst bei der Ausgabe auf. Wer das Metadatum unbesehen in die Spalte „SEO Title“ legt, veröffentlicht die Platzhalter. Zweitens die Länge: Shopify nimmt im Feld „SEO-Titel“ bis zu 70 Zeichen an. Kürzen Sie längere Titel aus dem Altsystem vor dem Import selbst, statt herauszufinden, was das jeweilige Importwerkzeug mit ihnen anstellt.

Die Titelregel steht jetzt im Theme

Die Regel im Theme

Ein Grundtitel und drei Anhänge: So bauen Dawn und Horizon den Title-Tag

Shopify hat im Admin keine Einstellung für Präfix, Suffix oder Titelvorlage. Die Regel steht im Theme-Code und läuft auf jeder Seite gleich ab. Am Beispiel der zweiten Seite einer Kollektion, Schritt für Schritt.

  1. 01

    Grundtitel

    {{ page_title }}

    SEO-Titel, wenn gesetzt, sonst der Titel des Produkts, der Kollektion oder der Seite. Für die Startseite der Titel aus Onlineshop › Einstellungen.

    Titel nach Schritt 1 Regenjacken

    Was im Altsystem Ersatzwert war — Pfad, Variantenoptionen, Produktnummer —, kommt hier nicht mehr vor.

  2. 02

    Tag-Filter

    – tagged "rot"

    Ist die Liste über einen Tag in der Adresse gefiltert, etwa /collections/regenjacken/rot, kommt der Tag dazu.

    Titel nach Schritt 2 Regenjacken

    Auf dieser Beispielseite nicht aktiv. Wo er greift, steht das englische „tagged“ im deutschen Titel.

  3. 03

    Seitenzahl

    – Page 2

    Ab der zweiten Seite einer Liste kommt die Seitenzahl dazu.

    Titel nach Schritt 3 Regenjacken – Page 2

    Fest im Code, nicht in der Sprachdatei — obwohl Dawn dort „Seite {{ number }}“ für die Blätternavigation bereithält.

  4. 04

    Shopname

    – Muster Outdoor GmbH

    Enthält der Titel bis hierher den Shopnamen aus den Einstellungen nicht als Zeichenfolge, wird er angehängt.

    Titel nach Schritt 4 Regenjacken – Page 2 – Muster Outdoor GmbH

    Greift auf fast jeder Seite. Abweichende Schreibweise im gepflegten Titel führt zur doppelten Marke.

Der vollständige Titelblock in Dawn (layout/theme.liquid) und Horizon (snippets/meta-tags.liquid)
<title>
  {{ page_title }}
  {%- if current_tags %} &ndash; tagged "{{ current_tags | join: ', ' }}"{% endif -%}
  {%- if current_page != 1 %} &ndash; Page {{ current_page }}{% endif -%}
  {%- unless page_title contains shop.name %} &ndash; {{ shop.name }}{% endunless -%}
</title>

Andere Themes bauen den Titel anders; prüfen Sie den Block in Ihrem Theme, bevor Sie Titel für den Import vorbereiten. Code nach dem öffentlichen Stand von Dawn und Horizon, September 2026.

Der wichtigste Unterschied zum Altsystem ist nicht die Regel selbst, sondern ihr Ort. In Magento stehen Präfix und Suffix in der Konfiguration, bei Yoast die Vorlagen in den Plugin-Einstellungen — beides kann ein Marketingteam ohne Entwickler ändern. Bei Shopify pflegen Sie Titel im Admin nur einzeln: im Feld „SEO-Titel“ an Produkten, Kollektionen, Seiten und Blogartikeln und für die Startseite unter Onlineshop › Einstellungen. Alles, was für viele Seiten zugleich gelten soll, ist Theme-Code.

Für Umsteiger gibt es damit zwei Wege, die alte Titelvorlage nachzubauen, und in den meisten Projekten ist die Kombination richtig.

Regeln gehören ins Theme. Was für eine ganze Seitenart gilt — Marke, Trennzeichen, Seitenzahl, vielleicht ein Zusatz auf Kollektionsseiten —, steht im Titelblock. Das ist eine einzige Stelle, sie wirkt sofort auf alle Seiten und lässt sich zurücknehmen. Der Preis: Die Regel steckt im Code und nicht in einer Einstellung. Dokumentieren Sie sie, sonst verschwindet sie beim nächsten Theme-Wechsel unbemerkt — mit genau den Folgen, die dieser Artikel beschreibt.

Seitentext gehört ins Feld. Was nur für eine Seite gilt, gehört in den SEO-Titel. Dort ist es im Admin sichtbar, per Import pflegbar und übersetzbar. Schreiben Sie in das Feld aber nichts, was das Theme ohnehin anhängt: Eine Marke, die im Feld und in der Regel steht, ist die häufigste Doppelung nach dem Umstieg.

Die englischen Wörter sind der kleinste Teil dieser Arbeit und gehören trotzdem auf jede Go-live-Liste. Dawn bringt in seiner deutschen Sprachdatei die Übersetzung Seite {{ number }} bereits mit, nur verwendet der Titelblock sie nicht. Wer „Page“ und „tagged“ dort durch Übersetzungsschlüssel ersetzt, hat das Problem für alle Sprachen des Shops auf einmal gelöst.

Mehrsprachige Shops: erst die Hauptsprache, dann die Übersetzung

Wer aus Magento mit mehreren Store Views oder aus Shopware mit mehreren Sprachen kommt, hat Meta-Titel je Sprache gepflegt. Bei Shopify werden daraus Übersetzungen des Feldes „SEO-Titel“; in der Übersetzungs-CSV heißt dieses Feld meta_title.

Dabei gibt es eine Einschränkung, die Importreihenfolgen durcheinanderbringt. Verwendet ein Produkt in der Standardsprache keinen eigenen SEO-Titel, sondern die Voreinstellung, bietet Shopify für dieses Feld keine Übersetzung an. Der Titel in der zweiten Sprache kommt dann automatisch aus dem übersetzten Produkttitel. Ein sorgfältig gepflegter französischer Titel aus der alten Store View hat keinen Platz, solange das deutsche Feld leer ist.

Die praktische Regel lautet deshalb: Hat irgendeine Sprache einen eigenen Titel, bekommt auch die Standardsprache einen — notfalls den bisherigen Ersatzwert, ausgeschrieben. Erst danach werden die Übersetzungen importiert. Wie Sie Sprachen und Märkte in Shopify grundsätzlich aufsetzen, beschreibt Shopify Markets: Internationalisierung für DACH-Marken.

Vor dem Go-live: der Titel-Abgleich

Titel-Abgleich vor dem Go-live

6.850 Adressen, sechs Arten von Abweichung, drei davon im Theme

Der Abgleich legt den Titel jeder alten Adresse neben den Titel, den der Staging-Shop für die neue ausgibt. Das Ergebnis ist selten eine lange Fehlerliste, sondern eine kurze Liste von Ursachen, von denen einige sehr viele Seiten betreffen.

6.564 von 6.850 Titeln weichen ab
91 % der Abweichungen gehen auf 3 Regeln im Theme zurück
  1. Identisch

    286 4 %

    Titel stimmt Zeichen für Zeichen

    Kein Handlungsbedarf Nichts zu tun.

  2. Nur der Zusatz weicht ab

    3.960 58 %

    „| Muster Outdoor“ wurde zu „– Muster Outdoor GmbH“

    Im Theme Zusatz im Titelblock an die alte Schreibweise angleichen — oder die Änderung bewusst in Kauf nehmen.

  3. Marke doppelt

    1.380 20 %

    Das alte Suffix wurde beim Import in die gepflegten Titel geschrieben, das Theme hängt den Shopnamen trotzdem an

    Im Theme Die Prüfung im Theme auf die Schreibweise umstellen, die in den Titeln tatsächlich steht — oder das Suffix wieder aus den Feldern nehmen.

  4. Englischer Zusatz

    604 9 %

    „– Page 2“ auf Folgeseiten, „– tagged …“ auf Tag-Seiten

    Im Theme Feste Wörter im Titelblock durch Übersetzungsschlüssel ersetzen.

  5. Pfad fehlt

    214 3 %

    Kategorie ohne Meta-Titel, der Magento-Ersatzwert war der Pfad

    Im Import Für Kategorien mit organischen Klicks den alten Titel ausgeschrieben ins Feld „SEO-Titel“ importieren.

  6. Feld nicht angekommen

    180 3 %

    Titel lag in einer zweiten Store View oder war nicht zugeordnet

    Im Import Zuordnung im Import korrigieren und die betroffenen Zeilen erneut einspielen.

  7. Über 70 Zeichen

    226 3 %

    Alter Titel passt nicht in das Shopify-Feld

    Redaktionell Vor dem Import kürzen, Keyword vorn lassen, nicht dem Werkzeug überlassen.

Beispielrechnung für einen fiktiven Shop nach Magento 2 mit 6.850 indexierbaren Adressen, Shopify-Standard-Theme; im Altsystem war das Suffix „| Muster Outdoor“ konfiguriert. Die Verteilung hängt stark vom Altsystem und von der Pflege der Meta-Titel ab; das Muster — wenige Ursachen, viele Seiten — ist typisch.

Der Abgleich ist unspektakulär und kostet weniger Zeit als jede Diskussion über Titel. Sie brauchen drei Dinge, die im Projekt ohnehin entstehen: einen Crawl des Live-Shops mit Adresse und Title-Tag, einen Crawl des Staging-Shops und die Weiterleitungstabelle, die beide verbindet. Wie Sie diese Tabelle aufbauen, steht in 301-Redirects bei Shopify-Migrationen.

Wichtig ist die Quelle der alten Titel. Crawlen Sie sie, statt sie zu exportieren. Die Datenbank des Altsystems enthält Felder, leere Werte und Platzhalter. Was tatsächlich bei Google stand — mit Pfad, Suffix und aufgelöster Vorlage —, zeigt nur die ausgelieferte Seite. Diesen Stand können Sie nur erheben, solange der alte Shop läuft.

Legt man die Titel nebeneinander, sortiert sich das Ergebnis fast von allein nach Ursachen, und die Ursachen sind sehr ungleich verteilt. Die großen Blöcke entstehen durch Regeln: Zusatz, Doppelung, englische Wörter. Sie werden an einer Stelle im Theme behoben und betreffen Tausende Seiten. Die kleinen Blöcke sind Einzelfälle: fehlende Felder, verlorene Pfade, zu lange Titel. Sie kosten pro Seite mehr Arbeit, betreffen aber wenige Seiten, und nur ein Teil davon hat überhaupt organische Klicks.

Daraus ergibt sich die Reihenfolge. Erst die Regeln im Theme korrigieren und neu crawlen, weil sich die Liste der Einzelfälle damit deutlich verkürzt. Dann die Einzelfälle nach organischen Klicks sortieren und von oben abarbeiten. Was am Ende der Liste ohne Klicks übrig bleibt, darf den Shopify-Standardtitel behalten.

Erst umziehen, dann umformulieren

Reihenfolge statt Gleichzeitigkeit

Festhalten, beobachten, verbessern: Titel in drei Phasen

Am Go-live-Tag ändert sich ohnehin fast alles, was eine Suchmaschine an einer Seite bewertet. Der Titel ist das eine Element, dessen Änderung sich verschieben lässt — und genau deshalb sollte er an diesem Tag stillhalten.

  1. 01

    Festhalten

    Vor dem Go-live

    • Titel des Live-Shops für jede indexierbare Adresse crawlen und neben die Weiterleitungstabelle legen.
    • Den Staging-Shop crawlen und die Abweichungen nach Ursache sortieren.
    • Titelblock im Theme und Importfelder so einstellen, dass Seiten mit organischen Klicks ihren Titel behalten.

    Maßstab Jede Abweichung auf einer Seite mit Klicks ist eine Entscheidung, kein Nebeneffekt.

  2. 02

    Beobachten

    Go-live bis Stabilisierung

    • Keine Titel ändern, solange Weiterleitungen und Neuindexierung laufen.
    • Klickrate je Seitentyp gegen die Wochen vor dem Umstieg vergleichen, nicht nur Positionen.
    • Stichproben in der Suche: Übernimmt Google die Titel, oder schreibt es sie um?

    Maßstab Positionen und Klickrate je Seitentyp zurück auf Vorniveau — oder ein benannter Grund, warum nicht.

  3. 03

    Verbessern

    Danach, in Chargen

    • Eine Seitengruppe nach der anderen umschreiben, etwa die 50 Kollektionen mit den meisten Impressionen.
    • Eine vergleichbare Gruppe unverändert lassen, damit Saison und Suchalgorithmus nicht als Erfolg zählen.
    • Suchbegriff nach vorn, Inhalt konkret, rund 60 Zeichen, Marke kurz am Ende.

    Maßstab Klickrate der Charge gegen die Vergleichsgruppe, über mehrere Wochen.

Google braucht nach eigener Dokumentation einige Tage bis wenige Wochen, um geänderte Titel neu zu verarbeiten. Wie lange die Stabilisierung nach einem Umstieg dauert, hängt vor allem an der Weiterleitungstabelle und der Größe des Shops.

Der Umstieg ist eine verlockende Gelegenheit, Titel endlich zu verbessern. Die Daten liegen ohnehin auf dem Tisch, das Mapping wird ohnehin gebaut, und viele Titel im Altsystem sind schlicht schlecht. Trotzdem ist der Go-live der ungünstigste Zeitpunkt dafür.

Der Grund ist Zurechenbarkeit. Am Go-live-Tag ändern sich Adressen, interne Verlinkung, strukturierte Daten und Seitenvorlagen gleichzeitig. Jede dieser Änderungen kann Rankings und Klickrate bewegen, und Google braucht nach eigener Angabe einige Tage bis wenige Wochen, um geänderte Titel zu verarbeiten. Ändern sich die Titel am selben Tag mit, lässt sich ein Einbruch in den Wochen danach keiner Ursache mehr zuordnen — und damit auch nicht gezielt beheben. Wie Sie diese Phase messen, beschreibt SEO-Monitoring rund um den Shopsystem-Wechsel.

Festhalten heißt nicht, jeden alten Titel zu konservieren. Eine Produktnummer im Titel muss niemand retten. Es heißt, dass jede Abweichung auf einer Seite mit Klicks eine Entscheidung ist und kein Nebenprodukt des Themes.

Haben sich die Zahlen stabilisiert, beginnt die eigentliche Titelarbeit. Dann gelten die Regeln, die jeder Ratgeber nennt, und zwar mit gutem Grund:

  • Suchbegriff nach vorn. „Regenjacken für Herren | Muster Outdoor“ statt „Muster Outdoor | Entdecken Sie unsere Regenjacken für Herren“.
  • Konkret statt allgemein. Produktseite, Kollektion und Ratgeber brauchen unterschiedlich gebaute Titel. „Produkte“ oder „Startseite“ sagt im Suchergebnis niemandem etwas.
  • Kurz genug für die Anzeige. Google nennt keine feste Grenze und kürzt nach verfügbarer Breite. Das Shopify-Feld fasst zwar 70 Zeichen, Shopify selbst empfiehlt aber höchstens 60 — ein brauchbarer Richtwert.
  • Keine Textbausteine auf vielen Seiten. Google rät ausdrücklich von wiederkehrenden Titeln ab, die sich nur in einem einzigen Wort unterscheiden.
  • Titel und Hauptüberschrift beim selben Thema. Shopify erzeugt die H1 aus dem Titel des Produkts oder der Kollektion. Weicht der SEO-Titel inhaltlich stark davon ab, greift Google für den Titellink womöglich auf die Überschrift zurück.

Optimieren Sie in Chargen, nicht alles auf einmal, und lassen Sie eine vergleichbare Gruppe unverändert. Nur so sehen Sie, ob der bessere Titel wirkt — oder ob einfach die Saison begonnen hat.

Checkliste

Seitentitel beim Umstieg: fünfzehn Punkte vor und nach dem Go-live

Die ersten vier Punkte halten den Ausgangszustand fest — erledigen Sie sie, solange der alte Shop noch läuft. Die Punkte fünf bis dreizehn gehören vor den Import und in die Abnahme, die letzten beiden in die Wochen nach dem Go-live. Ihre Häkchen bleiben in diesem Browser gespeichert.


Was für Ihre Ausgangslage sinnvoll ist

Ihre SituationEmpfehlung
Umstieg von Shopware 6 mit Standard-StorefrontEinplanen, dass fast jeder Titel einen Shopnamen dazubekommt. Bewusst entscheiden, ob er bleibt, statt es dem Theme zu überlassen
Magento mit konfiguriertem Titel-SuffixDas Suffix nicht in die Felder kopieren. Die alte Schreibweise im Titelblock nachbauen und die Felder ohne Marke importieren
Magento-Kategorien ohne Meta-TitelFür Kategorien mit Klicks den alten Pfad-Titel ausschreiben und importieren. Für den Rest genügt der Kollektionstitel
WooCommerce mit Yoast oder einem anderen SEO-PluginTitel aus der ausgelieferten Seite crawlen, nicht aus der Datenbank exportieren — und den Zusatz vor dem Import abschneiden
Viele Titel über 70 ZeichenVor dem Import redaktionell kürzen, Suchbegriff vorn lassen. Nicht dem Importwerkzeug überlassen
Shop in mehreren SprachenStandardsprache zuerst befüllen, wo eine andere Sprache einen eigenen Titel hat. Danach die Übersetzungen importieren
Kollektionen mit vielen Folgeseiten oder Tag-Seiten„Page“ und „tagged“ im Titelblock durch Übersetzungsschlüssel ersetzen. Eine Änderung, gilt für alle Sprachen
Shopname in den Einstellungen enthält die RechtsformIm Titelblock die Markenschreibweise ausgeben statt den Shopnamen umzubenennen, der auch in E-Mails erscheint
Titel im Altsystem sind ohnehin schwachTrotzdem erst unverändert umziehen. Verbessert wird in Chargen, wenn die Zahlen nach dem Go-live stabil sind
Theme-Wechsel nach dem Go-live geplantDie Titelregel dokumentieren. Sie steht im Code und verschwindet mit dem alten Theme
Kleiner Katalog, wenige Seiten mit organischen KlicksKeinen vollständigen Abgleich bauen. Die 50 Seiten mit den meisten Klicks von Hand zu prüfen, genügt
Migration läuft bereits, Go-live ist durchJetzt crawlen und nach Ursachen sortieren. Erst die Regeln im Theme korrigieren, dann Einzelfälle nach Klicks

Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen sollten

Der Seitentitel ist das SEO-Element, das beim Systemwechsel am leisesten kaputtgeht: Kein Import meldet einen Fehler, keine Seite sieht anders aus, und in der Search Console zeigt sich die Wirkung erst Wochen später — vermischt mit allem anderen, was sich am Go-live-Tag geändert hat. Drei Punkte verhindern das meiste davon.

Crawlen Sie Titel, statt sie zu exportieren. Die Datenbank des Altsystems kennt Felder, Platzhalter und leere Werte. Was bei Google stand, kennt nur die ausgelieferte Seite. Der Crawl des Live-Shops ist die einzige vollständige Quelle, und er ist nur möglich, solange der alte Shop läuft.

Trennen Sie Regel und Text. Was für viele Seiten gilt, gehört in den Titelblock des Themes, was für eine Seite gilt, in das Feld „SEO-Titel“. Wer Bestandteile der alten Regel in die Felder kopiert, bekommt sie doppelt, sobald das Theme seine eigene Regel anwendet.

Ziehen Sie erst um, und formulieren Sie danach um. Der Go-live ist nicht der Moment für bessere Titel, sondern für gleiche. Verbessert wird in Chargen, wenn die Zahlen wieder stehen — mit einer Vergleichsgruppe, die zeigt, ob es wirklich am Titel lag.

Wenn Sie einen Systemwechsel planen und wissen wollen, welche Titel Ihres Shops beim Umstieg kippen würden: Lassen Sie uns sprechen. Wie wir Migrationen aufsetzen, steht auf Shopsystem-Migration; die übrigen SEO-Hebel beim Umzug fasst SEO bei der Shopify-Migration zusammen.

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