Markenschrift beim Shopify-Umstieg: Das eine Markenelement, das nicht mitmigriert
Produkte, Kunden und Bestellungen wandern beim Systemwechsel als Datensätze mit. Ihre Schrift nicht — die liegt im alten Theme, in einer Datei ohne Herkunft und unter einer Lizenz, die niemand mehr findet. Deshalb wird beim Wechsel jedes Mal neu über Typografie entschieden. Die Frage ist nur, ob bewusst oder nebenbei.
In Migrationsprojekten gibt es einen Moment, der sich mit erstaunlicher Zuverlässigkeit wiederholt. Das neue Theme steht, die Produkte sind drin, die erste Vorschau geht raus — und aus dem Marketing kommt innerhalb einer Stunde derselbe Satz: „Das sieht irgendwie nicht nach uns aus.“
Meistens liegt das nicht an den Farben. Farben stehen im Styleguide, sie sind sechs Zeichen lang, und sie werden übertragen, weil jeder weiß, wo sie stehen. Es liegt an der Schrift. Und die steht in keinem Export.
Was ein Export überträgt — und was im alten Theme bleibt
Der blinde Fleck im Export
Ihre Daten wandern mit. Ihre Schrift nicht.
Ein Systemwechsel wird als Datenprojekt geplant, und für Produkte, Kunden und Bestellungen stimmt das auch. Typografie ist aber kein Datensatz. Sie liegt im Theme — in einer Datei, einer CSS-Regel und einem Lizenzvertrag, der zu einem System gehört, das Sie gerade abschalten.
Der Grund ist unspektakulär und genau deshalb so verlässlich übersehen: Ein Migrationswerkzeug überträgt Inhalte. Es liest eine Datenbank aus und schreibt eine andere. Produkte, Varianten, Preise, Kunden, Bestellungen, Bilder, Texte — all das sind Datensätze, und Datensätze haben ein Ziel im neuen System.
Typografie ist kein Datensatz. Sie ist eine Eigenschaft des Themes: eine WOFF2-Datei irgendwo im Asset-Verzeichnis, ein @font-face-Block, den vor Jahren jemand eingefügt hat, eine Größenskala, die nirgends dokumentiert ist, und eine Lizenz, die als PDF in einem Postfach liegt, das es womöglich nicht mehr gibt.
Wenn das Theme neu gebaut wird — und beim Systemwechsel wird es immer neu gebaut —, dann wird über all das neu entschieden. Das ist keine Panne, sondern die Natur der Sache. Der einzige Unterschied zwischen Projekten liegt darin, wann diese Entscheidung fällt und wer sie trifft.
Im schlechten Fall fällt sie in Woche zehn, nebenbei, von derjenigen Person, die gerade das Theme aufsetzt und eine Schrift braucht, die ungefähr passt. Im guten Fall fällt sie in Woche zwei, bewusst, und kostet einen Nachmittag.
Warum im Altsystem niemandem etwas auffällt
Die Frage, warum Typografie in laufenden Shops so selten Thema ist, hat eine einfache Antwort: Sie funktioniert. Der Shop läuft seit Jahren, die Schrift lädt, niemand hat Anlass hinzusehen.
Was in dieser Zeit passiert, ist eine schleichende Entkopplung von Nutzung und Wissen. Drei Dinge treten dabei besonders häufig auf:
Die Schrift wird genutzt, aber niemand weiß, woher sie kommt. In fast jedem älteren Shop finden sich Schriftdateien, die keinem Vertrag zuzuordnen sind. Sie wurden von einem Dienstleister mitgeliefert, aus einem Theme-Kauf übernommen oder von einer Designagentur bereitgestellt, die seit 2021 nicht mehr im Projekt ist.
Die Lizenz deckt etwas anderes ab als das, was passiert. Eine gekaufte Schrift hat in der Regel getrennte Lizenzen für den Desktop-Einsatz und für die Einbindung als Webfont. Wer 2018 eine Schrift für Broschüren gekauft und die Datei anschließend ins Theme gelegt hat, hat damit keine Webfont-Lizenz erworben — auch dann nicht, wenn technisch alles funktioniert.
Die Auswahl ist gewachsen, nicht entschieden. Vier Schnitte in der Überschriftenschrift, drei in der Textschrift, dazu ein kursiver Schnitt für ein Zitat, das seit dem letzten Relaunch nicht mehr auf der Seite steht. Diese Liste hat nie jemand aufgestellt. Sie ist entstanden.
Der Wechsel bringt alle drei Punkte gleichzeitig an die Oberfläche. Das ist unangenehm, aber es ist die eigentliche Chance an diesem Projekt: Es ist der einzige Zeitpunkt in vielen Jahren, an dem jemand die Frage überhaupt stellt.
Was eine Schrift verspricht — und was sie dafür kostet
Die vier Gruppen
Die obere rechte Ecke ist leer — und deshalb brauchen Sie zwei Schriften
Jede Schriftgruppe verspricht etwas und kostet dafür etwas anderes. Keine Gruppe ist gleichzeitig maximal unverwechselbar und maximal ruhig lesbar. Wer beides will — eine erkennbare Marke und einen Shop, der sich mühelos durchlesen lässt — löst das nicht mit der Wahl einer Schrift, sondern mit einer Arbeitsteilung zwischen zweien.
Grotesk / Sans-Serif
- Verspricht
- Klarheit, Gegenwart, Neutralität
- Kostet
- Austauschbarkeit — Ihr Shop sieht aus wie der Wettbewerb
- Im Shop
- Fließtext, Preise, Checkout, Tabellen. Die sichere Wahl für alles, was gelesen und nicht bewundert wird.
Antiqua / Serif
- Verspricht
- Herkunft, Sorgfalt, Preisniveau
- Kostet
- Wirkt in dünnen Schnitten auf Mobilgeräten schnell zerbrechlich
- Im Shop
- Überschriften und längere Texte. Der wirksamste Hebel, wenn ein Sortiment teurer wirken soll, ohne es zu behaupten.
Schreibschrift & Handschrift
- Verspricht
- Nähe, Handwerk, Persönlichkeit
- Kostet
- Bricht in kleinen Größen zusammen und ist für Menschen mit Leseschwäche eine Hürde
- Im Shop
- Logo, ein einzelnes Kampagnen-Element. Niemals Navigation, niemals Produktnamen, niemals Checkout.
Display / Custom
- Verspricht
- Unverwechselbarkeit — die einzige Gruppe, die das leistet
- Kostet
- Lizenz- und Pflegeaufwand, hohe Dateigrößen, kein Fallback, der ähnlich aussieht
- Im Shop
- Ausschließlich große Überschriften und Key Visuals. Rechnet sich erst ab einer Markenbekanntheit, die den Aufwand trägt.
Die Einordnung ist keine Geschmacksfrage, sondern hat für einen Shop unmittelbare Folgen. Eine Schrift muss in Ihrem Shop nicht nur auf der Startseite wirken, sondern auch dort funktionieren, wo es unromantisch wird: in der Variantenauswahl, in der Versandkostentabelle, in der Bestellübersicht, in der Rechnung.
Genau hier scheitern Schriften, die nach dem Logo ausgesucht wurden. Eine Schreibschrift, die auf dem Etikett großartig aussieht, macht eine dreistellige Artikelnummer unlesbar. Ein sehr dünner Schnitt, der auf dem 27-Zoll-Monitor der Designerin elegant wirkt, verschwindet auf einem Mobiltelefon bei Sonnenlicht.
Und der Anteil, der über das Mobiltelefon kommt, liegt in den meisten Shops jenseits von siebzig Prozent — mit den Conversion-Verlusten, die genau dort entstehen, haben wir uns an anderer Stelle ausführlicher beschäftigt.
Die praktische Regel, die sich daraus ergibt, ist unspektakulär und trägt trotzdem fast jedes Projekt: Suchen Sie die Textschrift zuerst aus, nicht die Markenschrift. Die Markenschrift darf danach alles sein, was zur Marke passt — sie muss nur nichts tragen, was gelesen werden muss.
Die Hierarchie: drei Rollen, nicht drei Schriften
Die übliche Empfehlung lautet, mit zwei Schriften zu arbeiten. Nützlicher ist es, in drei Rollen zu denken, weil die dritte Rolle regelmäßig unbesetzt bleibt und dann von der falschen Schrift übernommen wird.
Die Primärschrift trägt den Charakter. Sie steht in Überschriften, in Key Visuals, im Kampagnenmaterial. Sie darf auffallen. Sie wird selten in kleinen Größen gebraucht und muss deshalb nicht auf Lesbarkeit optimiert sein.
Die Sekundärschrift trägt die Information. Fließtext, Produktbeschreibungen, Navigation, Preise, Formularfelder, Fehlermeldungen. Sie soll nicht auffallen. Ihre einzige Aufgabe ist, dass niemand zweimal hinsehen muss.
Die Akzentrolle trägt die Struktur. Kategorielabels, Badges, Größenangaben, Statushinweise wie „Nur noch 3 auf Lager“. Diese Rolle wird fast immer vergessen. Sie wird dann von einer Kursiven der Sekundärschrift übernommen — was funktioniert, aber nichts leistet — oder von der Primärschrift, was in kleinen Größen zu genau den Problemen führt, die die Grafik oben beschreibt.
In der Praxis lässt sich die Akzentrolle sauber und kostenlos lösen: Sie ist meistens keine dritte Schriftfamilie, sondern ein Schnitt der Sekundärschrift mit veränderter Laufweite und Versalschreibung. Das kostet keine zusätzliche Datei und ist der Grund, warum gut gemachte Shops mit zwei Familien auskommen und trotzdem drei Ebenen haben.
In Shopify bildet sich das direkt in den Theme-Einstellungen ab. Marktübliche Themes bieten Schrift-Auswahlfelder für Überschriften und Fließtext — die beiden ersten Rollen sind also ohne Code besetzbar. Die dritte entsteht im Theme-CSS und ist damit eine Entscheidung, die während des Aufbaus getroffen werden muss, nicht danach.
Vier Wege, dieselbe Schrift auszuliefern
Vier Wege, ein Ergebnis
Wie die Schrift in den Shop kommt — und was sie dabei mitbringt
Für die Besucherin sieht das Ergebnis in allen vier Fällen identisch aus. Für Sie unterscheiden sich die Wege in genau den Punkten, die erst nach dem Go-live auffallen: wer die Datei ausliefert, wessen Lizenz sie deckt und wessen Server dabei die IP-Adresse Ihrer Kundschaft sieht.
Shopify Font Library
RegelfallIm Theme-Editor auswählbar, von Shopify selbst ausgeliefert.
- Lizenz Im Shopify-Abo enthalten, kein eigener Vertrag
- Datenschutz Läuft über die Shopify-Domain, kein Drittanbieter-Request
- Performance Gleiche Verbindung wie der Shop, kein zusätzlicher Verbindungsaufbau
- Wiedererkennung Endliche Auswahl — beliebte Schnitte sieht man häufiger
- Aufwand Eine Einstellung, überlebt jedes Theme-Update
Der Standardweg. Deckt für die meisten Shops beide Rollen ab und ist der einzige Weg ohne eigene Lizenzfrage.
Google Fonts vom Google-CDN
Ein <link> auf fonts.googleapis.com im Theme-Head.
- Lizenz Open Font License, kostenfrei auch kommerziell
- Datenschutz IP-Adresse geht beim Seitenaufruf an Google — abmahnrelevant
- Performance Zusätzlicher Verbindungsaufbau zu einer fremden Domain
- Wiedererkennung Sehr verbreitete Auswahl
- Aufwand Eine Zeile im Theme
Der bequemste und im DACH-Raum der einzige riskante Weg. Wenn Sie ihn im Altsystem nutzen: nicht mitnehmen, sondern beim Wechsel ersetzen.
Google Fonts selbst gehostet
WOFF2-Dateien als Theme-Asset, eingebunden per @font-face.
- Lizenz Open Font License, Selbsthosting ausdrücklich erlaubt
- Datenschutz Kein externer Request, alles über Ihre Domain
- Performance Volle Kontrolle über Subsetting und Ladeverhalten
- Wiedererkennung Dieselbe Auswahl wie oben, nur sauber ausgeliefert
- Aufwand Einmalige Einrichtung, danach bei Theme-Updates mitzuführen
Die richtige Antwort, wenn Ihr Altsystem an einer Google-Schrift hängt, die Sie behalten wollen. Gleiche Schrift, ohne den fremden Request.
Lizenzschrift einer Foundry
Gekaufte Webfont-Lizenz, Dateien im Theme oder über den Anbieter.
- Lizenz Webfont-Lizenz nötig — eine Desktop-Lizenz genügt nicht
- Datenschutz Unkritisch beim Selbsthosting, kritisch bei Anbieter-CDN
- Performance Abhängig von Schnittzahl und Subsetting
- Wiedererkennung Der einzige Weg zu echter Unverwechselbarkeit
- Aufwand Vertrag, Zugriffsstaffel, Verlängerung, Nachweis
Sinnvoll ab einer Marke, die ihre Schrift auch offline nutzt. Vor dem Wechsel klären, ob die Lizenz den neuen Shop überhaupt abdeckt.
Die Einordnung „erklärungsbedürftig“ beim Google-CDN bezieht sich auf die Rechtslage im deutschsprachigen Raum: Ein Landgericht hat 2022 die dynamische Einbindung ohne Einwilligung als Verstoß gewertet. Das ist keine höchstrichterliche Klärung — es reicht aber, um eine Abmahnwelle auszulösen, und die Alternative kostet Sie beim Wechsel genau einen Arbeitsschritt. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung.
Zwei dieser vier Wege verdienen eine Anmerkung, weil sie in Migrationsprojekten die meisten Diskussionen erzeugen.
Google Fonts sind kostenlos, aber die Einbindung ist nicht neutral. Der klassische Weg — ein Verweis auf fonts.googleapis.com im Seitenkopf — bedeutet, dass beim Aufruf jeder Seite die IP-Adresse Ihrer Besucher an einen Drittanbieter übermittelt wird, in aller Regel ohne Einwilligung. Ein deutsches Landgericht hat das 2022 als Verstoß gewertet, und in der Folge ging eine Abmahnwelle durch den deutschsprachigen Mittelstand.
Das ist keine höchstrichterliche Klärung, und dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Für die Migrationsplanung ist die Rechtsfrage aber gar nicht entscheidend, weil die Lösung so billig ist: Dieselbe Schrift lässt sich als Datei ins Theme legen und über Ihre eigene Domain ausliefern. Die Lizenz erlaubt das ausdrücklich, das Ergebnis sieht identisch aus, und der Vorgang kostet eine Stunde. Wenn Ihr Altsystem an der CDN-Einbindung hängt, ist der Wechsel der günstigste Moment, das zu bereinigen — Sie fassen das Theme ohnehin an.
Die Shopify Font Library ist der unterschätzte Weg. Sie ist im Abo enthalten, wird über die Shopify-Infrastruktur ausgeliefert und wirft damit weder eine Lizenz- noch eine Datenschutzfrage auf. Die Auswahl ist endlich, aber groß genug, dass für die Sekundärrolle in fast jedem Projekt etwas Passendes dabei ist. Für Shops, die keine eigene Hausschrift haben — und das sind die meisten Umsteiger —, ist sie der Regelfall und nicht der Kompromiss.
Die Lizenzfrage, die beim Wechsel neu gestellt wird
Wenn Ihre Marke eine gekaufte Schrift nutzt, gibt es vor dem Cutover genau drei Dinge zu klären. Sie klingen nach Formalität und sind der Grund, warum in manchen Projekten zwei Wochen vor Go-live plötzlich eine Schrift getauscht werden muss.
Erstens: Existiert eine Webfont-Lizenz, und finden Sie sie? Nicht die Rechnung für die Desktop-Version — die Webfont-Lizenz. Wenn niemand sie findet, ist das keine Formalie, sondern ein offener Punkt, mit dem Sie nicht live gehen sollten. Suchen Sie zuerst beim Anbieter der Schrift, nicht im eigenen Archiv: Foundries führen Lizenzen auf den Käufer, und die Auskunft dauert meist einen Werktag.
Zweitens: Ist die Lizenz an Reichweite gebunden? Viele Webfont-Lizenzen sind nach monatlichen Seitenaufrufen gestaffelt. Ein Shop, der seit dem Kauf gewachsen ist — oder der nach dem Relaunch wachsen soll —, kann die Staffel längst verlassen haben, ohne dass das jemand bemerkt hätte.
Drittens: Deckt die Lizenz die neue Domain und weitere Shops ab? Wenn Sie im Zuge des Wechsels Märkte oder Sprachen trennen oder mehrere Storefronts aufsetzen, ist das lizenzrechtlich unter Umständen nicht mehr ein Auftritt, sondern mehrere.
Diese drei Punkte gehören in die Bestandsaufnahme, nicht in die Umsetzung. Sie kosten dort jeweils zehn Minuten und sind ein Musterbeispiel für die Sorte Risiko, die spät auffällt und dann teuer wird — die Systematik dahinter haben wir separat beschrieben.
Der Preis in Kilobyte
Was Schrift wiegt
Jeder Schnitt, den Sie mitnehmen, wird noch einmal geladen
Schriftschnitte sammeln sich in einem Theme über Jahre an: einer für die Überschriften, einer für den Fließtext, einer kursiv für ein Zitat, das es längst nicht mehr gibt. Beim Wechsel wird diese Liste in aller Regel übernommen, weil niemand sie hinterfragt. Sie ist aber der einzige Performance-Posten, den Sie an einem Nachmittag halbieren können.
Der Zusammenhang zwischen Schrift und Ladezeit wird gern als Detailoptimierung abgetan, und in absoluten Zahlen ist er das auch. Interessant wird er, weil Schriften an einer besonders empfindlichen Stelle der Ladekette sitzen: Sie werden gebraucht, bevor die erste Zeile Text erscheinen kann.
Daraus folgen zwei sichtbare Effekte, die beide auf die Conversion durchschlagen.
Der erste ist die Wartezeit vor dem ersten Text. Wer eine Schriftauswahl unverändert aus einem gewachsenen Altsystem übernimmt, schleppt regelmäßig das Doppelte bis Vierfache dessen mit, was tatsächlich benutzt wird. Auf einer schnellen Verbindung fällt das nicht auf. Auf dem Mobiltelefon in der Bahn schon — und genau dort landen die Klicks aus bezahlter Werbung.
Der zweite ist der Layoutsprung. Bis die richtige Schrift geladen ist, zeigen Browser den Text in einer Ersatzschrift. Unterscheiden sich beide in Breite und Höhe, springt beim Umschalten das gesamte Layout. Wer im falschen Moment tippt, trifft einen anderen Button als den, den er gesehen hat.
Beides ist mit drei Handgriffen beherrschbar, und alle drei gehören in den Theme-Aufbau, nicht in eine Optimierungsrunde danach:
- Nur laden, was benutzt wird. Zwei Schnitte je Familie decken in den allermeisten Shops alles ab. Jeder weitere Schnitt braucht eine Begründung, die über „hatten wir vorher auch“ hinausgeht.
- Auf den Zeichenvorrat beschneiden. Eine unbeschnittene Schriftdatei enthält häufig kyrillische und griechische Zeichen, die ein deutschsprachiger Shop nie darstellt. Das Beschneiden auf Latin halbiert die Datei oft.
- Die Ersatzschrift an die echte angleichen. Moderne CSS-Eigenschaften erlauben es, die Systemschrift in ihren Maßen so anzupassen, dass sie fast dieselbe Fläche belegt wie die Zielschrift. Der Layoutsprung verschwindet dadurch nahezu vollständig.
Wie sich diese Punkte in die übrige Performance-Arbeit einordnen, steht ausführlicher in Mobile First auf Shopify.
Die Entscheidung, in der Reihenfolge, die funktioniert
Für die Auswahl selbst hat sich in Projekten eine feste Reihenfolge bewährt. Sie ist nicht die naheliegende, weil sie mit der unwichtigeren Schrift beginnt — und genau darin liegt ihr Wert.
- Sekundärschrift zuerst. Wählen Sie die Schrift, in der gelesen wird. Kriterium ist ausschließlich Lesbarkeit in kleinen Größen und die Verfügbarkeit von Ziffern, die sich in Tabellen sauber untereinander stellen. Fast immer eine Grotesk, oft aus der Shopify Font Library, fertig in einer halben Stunde.
- Primärschrift dazu. Jetzt darf die Marke sprechen. Der Kontrast zur Sekundärschrift sollte deutlich sein — zwei ähnliche Groteske nebeneinander wirken nicht ruhig, sondern unentschlossen.
- Akzentrolle festlegen. In aller Regel ein Schnitt der Sekundärschrift, versal gesetzt, mit erhöhter Laufweite. Kein zusätzlicher Download.
- Auf Härtefällen testen, nicht auf der Startseite. Der Test findet auf der Produktseite mit dem längsten Namen statt, im Warenkorb mit fünf Positionen und im Checkout — nicht auf dem Key Visual. Wenn eine Schrift dort trägt, trägt sie überall.
- Auf dem Gerät prüfen, nicht im Entwurf. Ein echtes Mobiltelefon, bei Tageslicht, in der Hand. Diese Prüfung dauert fünf Minuten und verwirft mehr Schriftentscheidungen als jede Abstimmungsrunde.
- Lizenz und Auslieferung festzurren. Woher kommt die Datei, wer liefert sie aus, welcher Vertrag deckt das ab, wo liegt der Nachweis.
- Die Skala dokumentieren. Größen, Zeilenhöhen und Abstände einmal aufschreiben. Das ist der Teil, der beim nächsten Wechsel den Unterschied macht — und der Grund, warum es dieses Problem beim übernächsten Mal nicht mehr gibt.
Checkliste
Typografie beim Wechsel: elf Punkte vor dem Theme-Aufbau
Abzuarbeiten in der Bestandsaufnahme, nicht in der Umsetzung. Jeder offene Punkt hier wird später zu einer Nachfrage in der Abnahme. Ihre Häkchen bleiben in diesem Browser gespeichert.
0 von 11 erledigt
Was für Ihre Ausgangslage sinnvoll ist
| Ihre Situation | Empfehlung für den Wechsel |
|---|---|
| Keine eigene Hausschrift, Standard-Theme im Altsystem | Shopify Font Library für beide Rollen. Kein Vertrag, keine Datei, keine Pflege |
| Google Fonts über das Google-CDN eingebunden | Gleiche Schriften behalten, aber selbst hosten. Eine Stunde Arbeit, Rechtsfrage erledigt |
| Gekaufte Hausschrift, Lizenz auffindbar | Übernehmen, Schnittzahl beim Wechsel halbieren, auf Latin beschneiden |
| Gekaufte Hausschrift, Lizenz nicht auffindbar | Vor dem Theme-Aufbau beim Anbieter klären. Bis dahin mit einer Ersatzwahl planen |
| Corporate Design mit Schrift auch im Print | Hausschrift als Primärrolle, Sekundärrolle aus der Font Library. Spart Gewicht ohne Markenverlust |
| Mehrere Märkte oder Sprachen geplant | Zeichenvorrat vorab prüfen — nicht jede Schrift deckt osteuropäische oder griechische Zeichen ab |
| Über acht Schriftdateien im alten Theme | Der lohnendste Performance-Posten des ganzen Projekts. Vor dem Aufbau reduzieren, nicht danach |
| Relaunch der Marke parallel geplant | Typografie aus der Migration herauslösen und mit neutraler Schrift live gehen. Sonst terminiert keines der Projekte |
Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen sollten
Typografie ist beim Systemwechsel kein Designthema, das man ans Ende schieben kann. Sie ist ein Übernahmethema — genau wie Bestände, Weiterleitungen oder Kundengruppen —, nur dass sie in keinem Migrationswerkzeug auftaucht und deshalb in keiner Projektliste steht.
Drei Dinge tragen dabei den größten Teil des Ergebnisses:
Die Textschrift wird zuerst entschieden, nicht die Markenschrift. Alles, was gelesen werden muss, hängt an ihr. Die Marke darf danach kommen.
Die Lizenzfrage gehört in die Bestandsaufnahme. Sie kostet dort zehn Minuten und zwei Wochen vor Go-live eine Notlösung.
Die Schnittliste wird beim Wechsel halbiert, nicht kopiert. Es ist der einzige Performance-Gewinn in einem Migrationsprojekt, der nichts kostet außer einer Entscheidung.
Wer diese drei Punkte in Woche zwei erledigt, hat nicht nur ein schnelleres Theme, sondern erspart sich das Gespräch, das sonst in Woche zehn stattfindet — jenes, in dem der Shop technisch fertig ist und trotzdem nicht nach der eigenen Marke aussieht. Wie sich solche Punkte in den Gesamtablauf einordnen, steht in Wie lange dauert ein Shopsystem-Wechsel; die Reihenfolge der Bestandsaufnahme selbst haben wir in der Migrations-Checkliste aufgeschrieben.
Wenn bei Ihnen ein Wechsel ansteht und Sie wissen wollen, was Ihre bestehende Typografie im neuen Shop wert ist — welche Lizenz trägt, welche Schnitte wegfallen können und was das an Ladezeit bringt: Lassen Sie uns sprechen. Wie wir Migrationen insgesamt aufsetzen, steht auf Shopsystem-Migration.