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Keine Ergebnisse gefunden: Warum Ihre Shopsuche den Systemwechsel nicht überlebt

Der Katalog wandert mit, die Suche nicht. Synonyme, Weiterleitungen, Feldgewichtungen und Sprachregeln sind Konfiguration einer fremden Suchmaschine und haben in keinem Export eine Spalte. Warum die Null-Treffer-Rate in der Go-live-Woche ihren Höchststand hat, warum niemand sie ansieht — und welche Datei Sie exportieren müssen, bevor der alte Shop vom Netz geht.

DE
Daniel Ehrhardt
Geschäftsführer & Head of Development
15 Min.
Editorial Illustration: eine dichte Reihe senkrechter Striche bricht an einer feinen Linie ab; dahinter liegt ein leeres Feld, in dem dieselbe Reihe nur noch als drei blasse Umrisse angedeutet ist. Sinnbild für eine Suchanfrage, die ins Leere läuft.

Drei Wochen nach dem Umschalten ruft die Leiterin des Kundenservice an. Nichts ist ausgefallen, der Umsatz liegt im Plan, die Seiten laden schneller als je zuvor. Sie hat trotzdem eine Beobachtung: Ihr Team gibt seit dem Wechsel häufiger Direktlinks heraus. Kundinnen und Kunden schreiben, sie fänden ein bestimmtes Produkt nicht — und in fast allen Fällen ist das Produkt da. Es steht im Shop, es ist lieferbar, es hat ein Bild. Nur die Suche findet es nicht.

Diese Anrufe kommen in Migrationsprojekten mit erstaunlicher Zuverlässigkeit, und sie kommen spät. Spät, weil eine kaputte Suche nicht aussieht wie ein Fehler. Eine Bestellung, die nicht durchgeht, meldet sich. Eine Seite, die nicht lädt, meldet sich. Eine Suche, die „Keine Ergebnisse gefunden“ schreibt, sieht aus wie eine Suche, die funktioniert und dieses Produkt eben nicht hat. Sie erzeugt keinen Fehlereintrag, keine Warnung im Monitoring und in den meisten Fällen auch keine Beschwerde — sondern einen Ausstieg.

Der Grund dafür ist unspektakulär und wird trotzdem in fast jedem Projekt übersehen: Der Katalog wandert beim Systemwechsel mit, die Suche nicht. Produkte, Bilder, Preise, Bestände, Kundenkonten und Bestellungen haben ein Exportformat. Die Einstellungen, die Ihre alte Suche über Jahre brauchbar gemacht haben, haben keines.

Was von der alten Suche übrig bleibt

Was nicht im Export steht

Der Katalog zieht um, die Suche bleibt zurück

Produkte, Bilder, Preise, Kundenkonten und Bestellungen haben ein Exportformat. Die Einstellungen Ihrer Suche haben keines — sie sind Konfiguration einer fremden Suchmaschine. Am ersten Tag nach dem Wechsel steht Ihre Suche deshalb dort, wo sie am Tag der Erstinstallation des alten Shops stand.

7/8

dieser Stellschrauben wandern nicht mit. Die achte lässt sich retten — aber nur, solange der alte Shop noch läuft.

  1. Durchsuchte Felder

    Wandert nicht mit

    Im Altsystem

    Frei konfiguriert: Titel, Beschreibung, Attribute, oft auch Datenblattinhalte und Kategorietexte.

    Bei Shopify

    Fester Satz Standardfelder. Was nicht darin steht, ist für die Suche nicht vorhanden.

    Der folgenreichste Punkt der Liste, weil er nicht auffällt: Die Suche läuft ja. Sie liest nur weniger.

  2. Synonyme

    Wandert nicht mit

    Im Altsystem

    Über Jahre gewachsene Liste, meist aus echten Serviceanfragen entstanden — „Hoodie“, „Kapuzenpulli“, „Sweater“.

    Bei Shopify

    Synonymgruppen in Search & Discovery, leer am ersten Tag.

  3. Such-Weiterleitungen

    Wandert nicht mit

    Im Altsystem

    Begriff führt direkt auf eine Kategorie- oder Landingpage statt auf eine Ergebnisliste. In Magento und Shopware Bordmittel.

    Bei Shopify

    Kein Standard. Lösung im Theme oder über eine Such-App.

  4. Gewichtung und Ranking

    Wandert nicht mit

    Im Altsystem

    Feldgewichte im Suchserver: Treffer im Titel zählen mehr als Treffer in der Beschreibung.

    Bei Shopify

    Produktbezogene Boosts in Search & Discovery. Eine Gewichtung einzelner Felder gehört nicht dazu.

  5. Wortstamm und Stoppwörter

    Wandert nicht mit

    Im Altsystem

    Deutsche Sprachkonfiguration im Suchserver: Mehrzahl, Komposita, Füllwörter.

    Bei Shopify

    Plattformverhalten, nicht einstellbar. Die Standardsuche ergänzt am letzten Wort.

    Deutsche Zusammensetzungen sind der Grund, warum dieselbe Suche hier härter fällt als in englischen Sortimenten. „Damenlaufschuh“ und „Laufschuh Damen“ sind für eine Wortsuche zwei verschiedene Dinge.

  6. Suchvorschläge

    Wandert nicht mit

    Im Altsystem

    Eigene Konfiguration, oft mit kuratierten Begriffen und Kategorien.

    Bei Shopify

    Predictive Search im Theme. Verhalten hängt am Theme, nicht am Admin.

  7. Filter auf der Ergebnisseite

    Wandert nicht mit

    Im Altsystem

    Attribute erscheinen weitgehend automatisch als Filter.

    Bei Shopify

    Aus Optionen und Metafeldern in Search & Discovery zusammengestellt — also erst, wenn die Metafelder existieren.

  8. Suchhistorie

    Nur vorher zu sichern

    Im Altsystem

    Jahre an Suchbegriffen mit Trefferzahl: die genaueste Beschreibung dessen, wie Ihre Kundschaft über Ihr Sortiment spricht.

    Bei Shopify

    Der Zähler beginnt am Go-live-Tag bei null.

    Das einzige Element dieser Liste, das sich sichern lässt — und nur vor dem Abschalten. Exportieren Sie die 200 häufigsten Suchbegriffe des letzten Jahres, bevor der alte Shop vom Netz geht. Diese Datei ist später die Testliste, mit der die neue Suche geprüft wird.

Keine dieser acht Zeilen ist ein Mangel der Plattform — Shopify liefert für jede eine Entsprechung. Der Punkt ist ein anderer: Sie beginnen in jeder Zeile wieder bei null, und in keinem Migrationsangebot steht eine Position dafür. Die Arbeit ist überschaubar, wenn sie geplant ist, und unangenehm, wenn sie in Woche eins nach dem Go-live entdeckt wird.

Die Übersicht wirkt zunächst wie eine Anklage gegen Shopify, und das ist sie ausdrücklich nicht. Für jede der acht Zeilen gibt es eine Entsprechung — Synonymgruppen, Boosts und Filter liegen in Shopify Search & Discovery, Suchvorschläge im Theme, Weiterleitungen lassen sich lösen. Der Punkt ist ein anderer: Sie beginnen in jeder Zeile wieder bei null, und in keinem Migrationsangebot steht eine Position dafür.

Das liegt daran, wie diese Einstellungen im Altsystem entstanden sind. Kaum jemand hat sich hingesetzt und eine Synonymliste geplant. Sie ist gewachsen: Der Kundenservice meldete, dass Leute nach „Kapuzenpulli“ suchen, jemand trug es ein, drei Monate später kam der nächste Begriff dazu. Nach fünf Jahren steht dort eine Liste mit zweihundert Einträgen, die niemand als Projektwissen wahrnimmt, weil sie nie ein Projekt war. Genau solche Bestände verschwinden bei einem Systemwechsel — nicht weil jemand sie streicht, sondern weil sie in keiner Anforderungsliste stehen. Dasselbe Muster haben wir beim Vergleichen-Button beschrieben, der aus demselben Grund verloren geht.

Eine Zeile der Übersicht ist wichtiger als alle anderen, und sie hat eine Frist: die Suchhistorie. In Ihrem alten Shop liegt die genaueste Beschreibung, die es von der Sprache Ihrer Kundschaft gibt — jede Anfrage, die je eingetippt wurde, mit Häufigkeit und Trefferzahl. Diese Datei ist nach dem Abschalten weg.

Konkret und heute erledigbar: Exportieren Sie die 200 häufigsten Suchbegriffe der letzten zwölf Monate aus dem alten Shop, bevor er vom Netz geht. Das ist eine Datei, ein Vormittag, kein Budget. Sie ist später zweierlei: die Testliste, gegen die Sie die neue Suche prüfen, und die Vorlage für die erste Synonymrunde. Wer diesen Export versäumt, muss die Sprache seiner Kundschaft nach dem Wechsel noch einmal von vorn lernen — und zwar live, an echten Besuchern.

Der Ausschlag liegt genau dort, wo niemand hinsieht

Die Kurve nach dem Umschalten

Der Ausschlag kommt am Go-live — und er hat keinen Zuständigen

In der Go-live-Woche schaut das ganze Projekt auf Umsatz, Bestellungen und Ladezeit. Die Null-Treffer-Rate schaut niemand an, obwohl sie in genau dieser Woche ihren höchsten Wert des Jahres hat. Sie fällt danach wieder — aber nur, wenn jemand die drei Runden anstößt, die sie fallen lassen.

Typischer Verlauf der Null-Treffer-Rate rund um einen Shopsystem-Wechsel Eine Linie über sechs Projektpunkte. Im Altsystem liegt die Null-Treffer-Rate bei vier Prozent. In der Go-live-Woche springt sie auf neunzehn Prozent. Nach der ersten Synonymrunde in Woche eins liegt sie bei elf Prozent, nach dem Aufräumen der Produktsichtbarkeit in Woche drei bei sieben Prozent, nach der Arbeit an den Produktdaten in Woche acht bei fünf Prozent und pendelt sich in Woche sechzehn bei vier Prozent ein — dem Ausgangswert des Altsystems. Eine gestrichelte Linie markiert diesen Ausgangswert. 0 % 5 % 10 % 15 % 20 % Niveau des Altsystems Faktor 4,8 4 % Altsystem letzter Monat 19 % Go-live Woche 0 11 % Synonyme Woche 1 7 % Sichtbarkeit Woche 3 5 % Produktdaten Woche 8 4 % Eingeschwungen Woche 16 Typischer Verlauf, keine Messreihe eines einzelnen Projekts · Anteil der Suchanfragen ohne Ergebnis
  1. 1 Der Wert, den niemand kennt 4 %

    Das Ergebnis von Jahren stiller Nachpflege: jedes Mal, wenn der Kundenservice eine Anfrage weitergab, kam ein Synonym dazu. Diese Zahl steht in Ihrem alten Shop und wird fast nie abgelesen — was der eigentliche Grund für die Überraschung danach ist.

  2. 2 Der Ausschlag, den niemand misst 19 %

    Die Suche ist technisch einwandfrei und kennt trotzdem kein einziges Ihrer Synonyme. Gleichzeitig schaut jeder auf Umsatz und Ladezeit — die Null-Treffer-Rate hat in der Go-live-Woche keinen Zuständigen.

  3. 3 Die dreißig häufigsten Begriffe 11 %

    Die billigste Runde des ganzen Projekts. Ein Nachmittag im Bericht „Suchbegriffe ohne Ergebnisse“, dreißig Synonymgruppen angelegt — und der größte Teil des Ausschlags ist weg.

  4. 4 Produkte, die es gibt und die niemand findet 7 %

    Artikel ohne Vertriebskanal, ausgeblendete ausverkaufte Varianten, fehlende Produkttypen. Kein Suchproblem, sondern der Rest der Katalogmigration — sichtbar geworden über die Suche.

  5. 5 Kundensprache in die Felder geschrieben 5 %

    Materialien, Einsatzzwecke, gängige Kurzformen und Modellbezeichnungen landen in Tags und Produkttyp. Die aufwendigste Runde, und die einzige, die auch außerhalb der Suche zahlt.

  6. 6 Wieder auf dem alten Stand 4 %

    Unter drei Prozent kommt kaum ein Sortiment, weil ein Teil der Anfragen schlicht Produkte betrifft, die Sie nicht führen. Genau dieser Rest ist der interessante: Er ist keine Panne, sondern eine Sortimentsliste.

Zwei Dinge sind an dieser Kurve wichtiger als jeder einzelne Wert. Erstens: Der Ausgangswert links ist keine Naturkonstante, sondern das Ergebnis jahrelanger Pflege im alten Shop — Sie vergleichen nach dem Wechsel einen ungepflegten Zustand mit einem gepflegten. Zweitens: Die Kurve fällt nicht von selbst. Ohne die drei Runden bleibt sie auf dem Niveau von Woche null stehen, und niemand merkt es, weil eine Suche ohne Ergebnisse aussieht wie eine Suche, die funktioniert.

Die Form dieser Kurve ist in Projekten sehr ähnlich, und ihr unangenehmster Teil ist nicht die Höhe des Ausschlags, sondern sein Zeitpunkt. In der Go-live-Woche schaut das gesamte Projekt auf drei Zahlen: Umsatz, Bestellungen, Ladezeit. Alle drei können gut aussehen, während die Suche im selben Zeitraum jede fünfte Anfrage ins Leere laufen lässt.

Dazu kommt ein Vergleichsfehler, der die Diskussion später vergiftet. Der Wert links in der Kurve ist keine Naturkonstante des alten Shops, sondern das Ergebnis jahrelanger Nachpflege. Sie vergleichen nach dem Wechsel also einen ungepflegten Zustand mit einem gepflegten — und ziehen daraus leicht den falschen Schluss, die neue Plattform könne weniger. Sie kann an dieser Stelle tatsächlich manches anders, aber der überwiegende Teil des Ausschlags ist schlicht fehlende Pflege.

Der zweite Punkt ist wichtiger: Diese Kurve fällt nicht von selbst. Es gibt keinen Mechanismus, der Synonyme lernt oder fehlende Vertriebskanäle bemerkt. Ohne die drei Runden — Synonyme, Sichtbarkeit, Produktdaten — bleibt der Wert auf dem Niveau der Go-live-Woche stehen. Und weil eine leere Ergebnisseite aussieht wie ein normales Suchergebnis, fällt das monatelang niemandem auf. Was in derselben Phase mit dem Lighthouse-Score passiert und warum auch dort der Tiefpunkt in die Go-live-Woche fällt, steht in Lighthouse beim Shopsystem-Wechsel.

Der Aufwand steht dabei in einem auffälligen Verhältnis zur Wirkung. Die erste Runde — die dreißig häufigsten erfolglosen Begriffe in Synonymgruppen übersetzen — ist ein Nachmittag und nimmt den größten Teil des Ausschlags weg. Sie ist die billigste Maßnahme des gesamten Migrationsprojekts und wird trotzdem regelmäßig nicht gemacht, weil sie in keinem Ticket steht.

Die Suche liest andere Felder als vorher

Was die Suche überhaupt liest

Dieselben Produktdaten, ein anderer Index

In Magento und Shopware entscheidet eine Konfiguration, welche Attribute durchsucht werden — auch selbst angelegte. Bei Shopify ist es ein fester Satz Felder. Wer seine technischen Angaben ordentlich in Metafelder migriert, hat sie damit sauber strukturiert, filterbar, ausspielbar — und aus der Suche genommen.

3

der zehn Felder liefern nach dem Wechsel weniger als vorher. Alle drei betreffen genau die Angaben, an denen technische Sortimente hängen.

Vergleich der Standardkonfigurationen. Eine Such-App verschiebt die Grenze, ändert aber nichts an der Datenlage darunter.
Produktdaten Magento / Shopware Shopify-Standardsuche
Produkttitel Das Rückgrat der Suche. Nach der Migration trägt der Titel deutlich mehr Last als vorher — was ihn zum lohnendsten Ort für gängige Kundenbegriffe macht. immer im Index Wird gelesen
Produktbeschreibung Wird gelesen, ist aber der unzuverlässigste Treffergeber: Marketingtext enthält Begriffe zufällig, nicht systematisch. meist im Index Wird gelesen
Hersteller (Vendor) Wandert bei der Migration gern in ein Metafeld oder einen Tag, weil das Feld in Shopify nur einen Wert trägt. Wer es leer lässt, verliert alle Markensuchen. Attribut im Index Wird gelesen
Produkttyp Das am meisten unterschätzte Feld der Migration. Es ist durchsuchbar, filterbar — und in vielen frisch migrierten Katalogen komplett leer. Kategoriezuordnung Wird gelesen
Tags Der Ort, an dem Kundensprache untergebracht wird, die nicht in den Titel gehört: Kurzformen, Einsatzzwecke, Vorgängermodelle, gängige Falschbezeichnungen. oft gar nicht vorhanden Wird gelesen
Variantenname Deckt Farbe und Größe ab, sofern sie als Option geführt werden — und nur dann. Attributwerte im Index Wird gelesen
Artikelnummer / SKU Für B2B und Ersatzteile die wichtigste Zeile der Tabelle. Prüfen Sie sie zuerst: Wenn Ihre Kundschaft nach Nummern sucht, entscheidet dieses Feld über die halbe Suche. im Index, oft mit eigener Regel Wird gelesen
Metafelder Die eigentliche Lücke. Technische Daten, Materialien, Normen, Maße — bei einer sauberen Migration liegt genau das in Metafeldern, und die Standardsuche liest sie nicht. Filtern ja, finden nein. als Attribut konfigurierbar im Index Wird nicht gelesen
Kategorietexte Kollektionen sind eigene Suchergebnisse, nicht Bestandteil der Produktsuche. Ob sie überhaupt in der Ergebnisliste auftauchen, entscheidet das Theme. häufig mitdurchsucht Eingeschränkt
Datenblätter und Anhänge Kein Standard. Wenn Ihre Kundschaft nach Werten sucht, die nur im PDF stehen, gehören diese Werte in Felder — nicht in eine Datei. bei Suchservern regelmäßig indiziert Wird nicht gelesen
Die praktische Folge steht in Zeile acht. Metafelder sind in Shopify die richtige Heimat für strukturierte Produktdaten und tragen Filter, Produktkacheln und Feeds — nur eben nicht die Suche. Wer die Suche mitversorgen will, spiegelt die wenigen Begriffe, nach denen tatsächlich gesucht wird, zusätzlich in Tags oder Titel. Nicht alle: die, die im Bericht über Suchbegriffe ohne Ergebnis auftauchen.

Hier liegt die Ursache für die Anrufe aus dem Kundenservice, und sie ist technisch banal: Die neue Suche liest nicht dieselben Felder wie die alte.

In Magento oder Shopware ist der Suchindex konfigurierbar. Wer ein eigenes Attribut anlegt, kann es durchsuchbar machen — und in gewachsenen Shops ist genau das über die Jahre passiert. Materialangaben, Normbezeichnungen, Herstellernummern, Einsatzbereiche: alles Attribute, alle im Index, alle auffindbar. Bei Shopify liest die Standardsuche einen festen Satz Felder. Titel, Beschreibung, Hersteller, Produkttyp, Tags, Variantenname und Artikelnummer sind dabei. Metafelder sind es nicht.

Das ist deshalb tückisch, weil eine gute Migration die technischen Angaben genau dorthin legt. Metafelder sind in Shopify die richtige Heimat für strukturierte Produktdaten: Sie tragen die Filter auf der Kategorieseite, die Angaben auf der Produktseite, die strukturierten Daten für Suchmaschinen und den Produktfeed. Eine saubere Katalogmigration produziert also einen Zustand, in dem die Daten gepflegt, sichtbar und filterbar sind — und aus der Suche verschwunden. Die Arbeit war richtig, das Ergebnis fühlt sich falsch an.

Die Lösung ist unspektakulär und funktioniert: Spiegeln Sie die wenigen Begriffe, nach denen tatsächlich gesucht wird, zusätzlich in Tags oder in den Titel. Nicht alle Attributwerte — das wäre eine Pflegehölle und würde die Produktkacheln zumüllen. Nur die, die im Bericht über erfolglose Suchen tatsächlich auftauchen. Genau dafür ist die exportierte Begriffsliste aus dem alten Shop da: Sie sagt Ihnen, welche zwanzig Angaben in die Suche gehören und welche zweihundert es nicht müssen. Warum sich diese Arbeit noch an einer zweiten Stelle auszahlt, steht in Produktdaten für KI-Suche — die Felder, die Ihre Onsite-Suche füttern, sind weitgehend dieselben, aus denen KI-Assistenten ihre Antworten ziehen.

Zwei Felder verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit, weil sie nach Migrationen auffallend oft leer sind. Der Produkttyp ist durchsuchbar, filterbar, kostenlos zu füllen und in frisch importierten Katalogen häufig auf ganzer Breite unbesetzt, weil das Quellsystem kein entsprechendes Feld hatte. Und der Hersteller, der in Shopify nur einen einzigen Wert trägt: Wer beim Import ausweicht und die Marke stattdessen in ein Metafeld schreibt, verliert damit sämtliche Markensuchen auf einen Schlag.

Ein Hinweis zum Verhalten der Standardsuche, der in Deutschland stärker durchschlägt als anderswo: Sie ergänzt am letzten eingegebenen Wort — wer „Winterja“ tippt, findet die Winterjacke. Sie korrigiert aber keine Tippfehler mitten im Wort, und sie zerlegt keine zusammengesetzten Wörter. „Damenlaufschuh“ und „Laufschuh Damen“ sind zwei verschiedene Anfragen. Deutsche Komposita sind deshalb der größte Einzelposten jeder Synonymliste in dieser Sprache — und der Grund, warum englischsprachige Erfahrungsberichte zur Shopify-Suche das Problem regelmäßig unterschätzen.

Vier Fächer statt einer Fehlerliste

Vier Fächer, vier Zuständige

Die Liste der erfolglosen Suchen ist keine Fehlerliste

„Suchbegriffe ohne Ergebnisse“ ist der am häufigsten geöffnete und am seltensten benutzte Bericht nach einem Systemwechsel — weil er wie eine Mängelliste aussieht und deshalb bei der Technik landet. Tatsächlich stehen darin vier verschiedene Befunde, und nur einer davon ist ein Fehler. Sortiert man sie, wird aus einer unangenehmen Liste ein Arbeitsplan.

55 %

der Fälle liegen in den beiden oberen Fächern und sind ohne Entwicklung zu lösen — von Menschen, die das Sortiment kennen, nicht vom Dienstleister.

  1. Schreibweise

    30 %

    Der Begriff ist erkennbar gemeint, nur anders geschrieben. Meist Tippfehler, Bindestriche, Leerzeichen, zusammengesetzte Wörter.

    „Laufschuh Herren“ statt „Herrenlaufschuh“, „Sneakers“ statt „Sneaker“

    Gehört zu
    Shop-Betrieb
    Dauer
    Minuten

    Synonymgruppe anlegen. Deutsche Komposita gehören hierher — sie sind der größte Einzelposten dieses Fachs und im Englischen kein Thema.

  2. Wortwahl

    25 %

    Das Produkt ist da, heißt bei Ihnen aber anders als bei Ihrer Kundschaft. Der Klassiker aus jedem Serviceteam.

    „Couch“ gegen „Sofa“, „Notebook“ gegen „Laptop“, Modellname gegen Kategoriename

    Gehört zu
    Redaktion / Service
    Dauer
    Stunden

    Synonymgruppe plus Tag am Produkt. Der Tag zahlt doppelt, weil er auch außerhalb der Suchleiste wirkt.

  3. Sichtbarkeit

    30 %

    Das Produkt existiert im Admin, aber nicht im Shop. Nach einer Migration das mit Abstand auffälligste Fach — und das einzige, das ein echter Fehler ist.

    Artikel ohne Vertriebskanal, ausverkaufte Varianten, fehlender Produkttyp, Markt- oder Kundengruppenbeschränkung

    Gehört zu
    Katalog / Technik
    Dauer
    Tage

    Nicht in der Suche lösen. Das ist der unfertige Rest der Katalogmigration, den die Suche nur sichtbar macht.

  4. Sortiment

    15 %

    Es gibt das Produkt bei Ihnen wirklich nicht. Keine Panne — eine Information, für die andere Firmen Marktforschung bezahlen.

    Zubehör einer Marke, die Sie nicht führen; eine Größe, die Sie ausgelistet haben; eine benachbarte Kategorie

    Gehört zu
    Einkauf / Marketing
    Dauer
    Nächste Planung

    Sammeln statt reparieren. Wiederkehrende Begriffe mit Menge weitergeben — und auf der Ergebnisseite eine sinnvolle Alternative anbieten.

Die Anteile sind eine typische Verteilung in den ersten Wochen nach einem Wechsel, keine Messreihe. Der Punkt liegt woanders: Drei der vier Fächer gehören überhaupt nicht in die Suchkonfiguration. Sie gehören in den Katalog, in die Redaktion und in den Einkauf. Wer den Bericht ungeteilt an die Technik gibt, bekommt ihn mit der zutreffenden Antwort zurück, dass die Suche funktioniert.

Der Bericht über Suchbegriffe ohne Ergebnisse steht in jedem Shopify-Konto zur Verfügung, und in Migrationsprojekten passiert damit fast immer dasselbe: Er wird einmal geöffnet, überflogen, als „Technikthema“ eingeordnet und weitergeleitet. Von dort kommt er mit der zutreffenden Antwort zurück, dass die Suche funktioniere.

Beides stimmt. Der Fehler liegt in der Zuordnung. Die Liste enthält vier verschiedene Sorten Befund mit vier verschiedenen Zuständigen, und nur eine davon ist überhaupt ein Fehler.

Praktisch heißt das: Nehmen Sie sich die Liste einmal im Monat vor, gehen Sie die Begriffe der Reihe nach durch und schreiben Sie hinter jeden einen Buchstaben — Schreibweise, Wortwahl, Sichtbarkeit, Sortiment. Die ersten beiden Gruppen erledigt jemand, der das Sortiment kennt, an einem Nachmittag im Admin. Die dritte ist ein Katalogthema und gehört an die Stelle, die den Import verantwortet hat. Die vierte gehört in den Einkauf, und sie ist die einzige, die man nicht abarbeitet, sondern sammelt.

Diese vierte Gruppe ist auf Dauer die wertvollste. Wenn dreihundert Menschen im Quartal nach etwas suchen, das Sie nicht führen, ist das keine Panne, sondern eine Marktbeobachtung, für die andere Firmen Agenturen bezahlen. Häufen sich Begriffe um ein gemeinsames Thema, ist das oft der Anlass für eine neue Kollektion, einen Beitrag oder eine Sortimentsentscheidung. Wie sich solche Signale systematisch auswerten lassen, beschreibt Voice of Customer.

Die Ergebnisseite, die trotzdem weiterführt

Ein Teil der Null-Treffer bleibt immer übrig. Deshalb entscheidet die Gestaltung der Ergebnisseite darüber, ob eine erfolglose Suche der letzte Schritt im Shop ist oder nicht — und sie ist im Theme in wenigen Stunden gebaut.

Vier Dinge gehören darauf, und sie kosten nichts:

Der eingegebene Begriff bleibt sichtbar, im Suchfeld. Nicht darüber als Fließtext, sondern editierbar im Feld — damit ein Tippfehler mit einer Korrektur behoben werden kann statt mit einer neuen Eingabe. Diese eine Änderung rettet mehr Sitzungen als jede Empfehlungslogik.

Der Ton stimmt. „Für ‚xyz‘ haben wir nichts gefunden“ ist eine Auskunft. „Ihre Suche ergab keine Treffer“ klingt nach einem Formularfehler und legt nahe, dass die suchende Person etwas falsch gemacht hat.

Alternativen mit Bezug, nicht Bestseller pauschal. Eine breitere Variante der Anfrage, die passende Kategorie, verwandte Produkte. Beliebige Bestseller auf einer leeren Suchseite lesen sich wie ein Themenwechsel — sie beantworten nicht die gestellte Frage.

Aktive Filter sichtbar und einzeln entfernbar. Ein erheblicher Teil der leeren Ergebnisseiten entsteht gar nicht in der Suchleiste, sondern durch die Kombination mehrerer Filter auf einer Kategorieseite. Wer dort nicht sieht, welche vier Häkchen gesetzt sind, hält das Sortiment für leer. „Alle Filter entfernen“ ist ein Knopf und behebt genau diesen Fall.

Ein technischer Punkt gehört dazu, weil er sonst später als SEO-Problem auftaucht: Suchergebnisseiten und gefilterte Ansichten gehören auf noindex. Sie erzeugen sonst eine unbegrenzte Zahl indexierbarer URLs mit dünnem Inhalt. Was beim Systemwechsel sonst noch an URL-Fragen entsteht, steht in Shopify-URL-Struktur und in 301-Redirects bei Shopify-Migrationen.

Wann eine Such-App die richtige Antwort ist

Die Frage kommt in jedem Projekt, meist zu früh. Such-Apps können vieles, was die Standardsuche nicht kann: Tippfehlertoleranz mitten im Wort, Suche über Metafelder, Gewichtung einzelner Felder, Weiterleitungen, eigene Ranking-Regeln, ausführliche Auswertungen.

Der Reflex, dieses Paket sofort zu kaufen, ist trotzdem meistens falsch — aus einem Grund, der nichts mit dem Preis zu tun hat: Eine Such-App macht Ihre Produktdaten nicht besser. Sie durchsucht dieselben Felder gründlicher. Wenn der Produkttyp leer ist, die Marke im falschen Feld steht und die Hälfte des Sortiments keinen Vertriebskanal hat, dann liefert auch die beste App das Ergebnis „nichts gefunden“ — nur teurer und mit mehr JavaScript auf jeder Seite.

Die sinnvolle Reihenfolge ist deshalb: erst die drei Runden aus der Kurve, dann messen, dann entscheiden. Nach acht Wochen wissen Sie, wie hoch Ihre Null-Treffer-Rate wirklich ist und woran sie liegt. Steht sie dann immer noch hoch, und bestehen die verbleibenden Fälle überwiegend aus Anfragen nach technischen Werten, die in Metafeldern liegen, ist eine App die richtige Antwort — und Sie können sie begründen statt hoffen.

Zwei Sortimente sind die Ausnahme von dieser Reihenfolge, weil bei ihnen von vornherein feststeht, dass die Standardsuche nicht reicht: sehr große Kataloge mit vielen technisch beschriebenen, gleichartigen Artikeln, und Ersatzteil- oder B2B-Sortimente, in denen fast ausschließlich nach Nummern und Normen gesucht wird. Dort ist die Suche keine Komfortfunktion, sondern die eigentliche Navigation, und sie gehört in die Plattformentscheidung — nicht in eine Nacharbeit. Wie sich das grundsätzlich einordnet, behandelt Custom Liquid oder Custom App.

Checkliste

Suche beim Shopify-Wechsel: fünfzehn Punkte

Die ersten drei Punkte haben eine Frist — sie sind nur erledigbar, solange der alte Shop noch läuft. Danach sind sie für immer weg. Die Punkte vier bis neun gehören in die Wochen um den Go-live, der Rest in den Betrieb. Ihre Häkchen bleiben in diesem Browser gespeichert.


Was für Ihre Ausgangslage sinnvoll ist

Ihre SituationEmpfehlung
Der alte Shop läuft nochHeute die Suchbegriffe exportieren. Alles andere in dieser Tabelle hat später noch Zeit, dieser Punkt nicht
Alter Shop bereits abgeschaltetDie neue Suchhistorie ab Tag eins auswerten. Vier Wochen echte Daten schlagen jede Vermutung über Kundensprache
Kleines Sortiment, wenige KategorienStandardsuche plus gepflegte Titel und Produkttypen reichen. Eine Such-App löst hier ein Problem, das Sie nicht haben
Großer Katalog mit technischen AttributenMetafeld-Lücke einplanen. Die gesuchten Werte zusätzlich in Tags spiegeln — oder die App von vornherein einkalkulieren
B2B oder Ersatzteile, Suche nach NummernSuche ist Ihre Navigation, nicht Ihr Komfort. Gehört in die Plattformentscheidung, nicht in die Nacharbeit
Aus Magento mit konfiguriertem SuchindexListe der bisher durchsuchten Attribute exportieren und Feld für Feld gegen die Shopify-Standardfelder halten
Aus Shopware mit gepflegten SynonymenSynonymliste vor dem Abschalten sichern. Sie ist in Search & Discovery in einem Nachmittag wieder eingetragen
Viele Marken im SortimentVendor-Feld konsequent füllen. Marken in Metafeldern kosten Sie sämtliche Markensuchen
Mehrsprachiger ShopSynonyme und Begriffslisten je Sprache führen. Eine Übersetzung des Katalogs erzeugt keine übersetzten Suchgewohnheiten
Kundenservice gibt auffällig oft Direktlinks herausDas ist das Symptom. Bericht über erfolglose Suchen öffnen, bevor jemand über eine neue App spricht
Ladezeit ist bereits ein ThemaStandardsuche behalten und in Daten investieren. Such-Apps laden auf allen Katalogseiten mit
Null-Treffer-Rate nach acht Wochen weiterhin zweistelligJetzt ist der Zeitpunkt für die App-Entscheidung — mit einer Zahl und einer bekannten Ursache statt mit einem Bauchgefühl

Was Sie aus diesem Artikel mitnehmen sollten

Die Onsite-Suche ist der einzige Ort im Shop, an dem Ihre Kundschaft in eigenen Worten sagt, was sie will. Beim Systemwechsel ist sie gleichzeitig der Bereich, der am unauffälligsten kaputtgeht. Drei Punkte tragen den größten Teil davon.

Eine Datei hat eine Frist. Die Suchhistorie des alten Shops ist die genaueste Beschreibung der Sprache Ihrer Kundschaft, die es gibt, und sie ist nach dem Abschalten unwiederbringlich weg. Der Export der 200 häufigsten Begriffe kostet einen Vormittag und ist danach Testliste, Synonymvorlage und Prüfstein für die Produktdaten in einem.

Der Ausschlag ist Pflege, nicht Plattform. Der Sprung der Null-Treffer-Rate am Go-live entsteht nicht, weil die neue Suche schlechter wäre, sondern weil Jahre stiller Nachpflege nicht mitgewandert sind. Drei Runden holen den Wert zurück, und die erste davon — dreißig Synonyme an einem Nachmittag — nimmt den größten Teil weg. Ohne diese Runden bleibt die Kurve oben stehen, und niemand merkt es.

Die Suche liest nur, was in ihren Feldern steht. Metafelder tragen Filter, Produktseiten und Feeds, aber nicht die Standardsuche. Wer seine technischen Angaben sauber migriert, muss die wenigen tatsächlich gesuchten Begriffe zusätzlich dort spiegeln, wo die Suche hinsieht. Welche das sind, sagt Ihnen der Bericht über erfolglose Suchen — und der gehört nicht der Technik allein, sondern zu drei Vierteln dem Katalog, der Redaktion und dem Einkauf.

Wenn Sie einen Systemwechsel planen und wissen wollen, was Ihre heutige Suche eigentlich leistet und was davon übertragbar ist: Lassen Sie uns sprechen. Wie wir Katalogmigrationen aufsetzen, steht auf Shopsystem-Migration; den Ablauf Schritt für Schritt zeigt die Migrations-Checkliste.

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